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16.01.2018, 14:30 Uhr
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geschrieben von M.Hüster am Sonntag, 16. April 2006 (6185 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Miguel Fernandez mit überzeugendem Comic-Debüt


Felsfest Open AirEinen Newcomer auf dem Gebiet des Comics präsentiert SCHWARZER TURM mit Miguel Fernandez und seinen ersten Comic-Band „Felsfest Open Air“. Thematisch geht es um eine Liebesgeschichte mit rockigem Hintergrund. Die Protagonisten verschlägt es auf das Felsfest-Festival. Rock ‚n’ Roll im Dauerregen, klebrige Bierbecher, Camperwiese und ätzende Dixieklos: Der Autor schöpft, wie er selbst im Comicforum bestätigte, aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz als Konzertbesucher. Und das merkt man der Handlung auch an.
Die Liebesgeschichte des Autors ist grundsätzlich nicht neu. Aber die Mischung ist einfach Klasse! Endlich gibt es hier mal ein richtig gutes lockeres Szenario, dass die Jugend, aber auch viele andere Comic-Fans anspricht. Fernandez verbrät in lustiger Weise so ziemlich jedes Klischee, das sich einbauen lässt, und sorgt immer wieder für Lacher durch gelungene Situations-Comic.

Das Debütalbum nahm Michael Hüster zum Anlass, im Januar 2006 das folgende Interview mit Miguel Fernandez zu führen.

CRS: Miguel, im September 2005 erschien bei Schwarzer Turm dein erstes Comic-Album Felsfest. Wie entstand die Idee zu dem Comic-Projekt?

Miguel Fernandez: In Hannover habe ich an der FH die „Visuelle Kommunikation“ studiert, was eigentlich nicht besonders viel mit dem Medium Comic zu tun hat, trotzdem habe ich „Felsfest Open Air“ als Diplomarbeit eingereicht. Ein solches Diplom ist immer noch die Ausnahme. Weil ich mich bei so einer wichtigen Arbeit aber auf meine Stärken konzentrieren und das letzte Semester dazu nutzen wollte, an der Erfüllung eines Kindheitstraums zu arbeiten, habe ich mich für einen Comic entschieden. Zum Thema „Festival“ kam es ganz von selbst, als ich bei „Rock am Ring“ war. Ich bin ein alter Hase in Sachen Festival und könnte mit meinen Erlebnissen noch 20 Bände füllen. Nie werde ich den ziemlich benebelten Härta vergessen, der beim Festival-Abschiedsfeuerwerk entsetzt der Meinung war: „Ich sehe Lichter!“ oder Fabian, der auf Anhieb den eh schon lebensgefährlichen Saufrekord unserer Zeltnachbarn gebrochen hatte und dann einfach nicht umfallen wollte. Da gäbe es noch einiges zu berichten…
Felsfest Open Air
CRS: Wie bist du auf den Titel Felsfest gekommen?

Miguel Fernandez: Kollegen von Dir hatten ja schon vermutet, dass es eine Eindeutschung von „Rock Hard“ wäre, aber da hatte ich nun überhaupt nicht dran gedacht. Das fand ich sehr lustig, weil es als zu nahe liegend kritisiert wurde. Ich habe nach einem einprägsamen Namen gesucht und „Rock“ und „Festival“ abgeändert. Rock=Fels und FESTival. Der durchaus positive Begriff „felsENfest“ ist jedem geläufig, lässt Spielraum für eigene Interpretationen und so erschien mir „Felsfest Open Air“ als ein passender Titel.

CRS: Felsfest beginnt mit dem Klassiker unter den Popfestivals. Warum hast du Woodstock als Opening gewählt?

Miguel Fernandez: Tatsächlich war es die Szene, die ich ganz zuletzt geschrieben habe, um die Verbindung mit dem Ende der Geschichte herzustellen. Das Woodstock-Festival gilt sicherlich bei vielen Leuten als DAS Festival überhaupt, du sagst ja selbst „Klassiker“. Ich habe mir berühmte Fotos von damals vorgenommen und sozusagen „cartoonisiert“, damit versuche ich, dem Comic den Anstrich einer Art „Festivalchronik“ zu geben.


CRS: Gab es für die Protagonisten in deinem Comic wie Frederik, Clair, Delli und Co. reale Vorbilder?

Miguel Fernandez: Ja, sicher! Solche Typen könnte ich mir bei aller Fantasie nicht ausdenken. Ronnie gibt es wirklich, Ecki heißt in Wirklichkeit Lars und Delli bin ich in dick! Frederik ist mein kleiner Bruder, den ich mal aufs M’era Luna-Festival mitgenommen habe und so weiter… nur sehen die Vorbilder in der Realität etwas anders aus.

CRS: Eine Comic-Lovestory mit Openair-Festival als Background war ein geschickter Schachzug in Sachen Szenario …

Miguel Fernandez: Ich habe nur zwei Leidenschaften miteinander verbunden: Das Zeichnen und die Musik, also Festivals, bzw. Konzerte. Das stand von Anfang an fest, obwohl ich natürlich gehofft hatte, mit einem Festivalcomic nicht nur die Comicfans anzusprechen.


CRS: Wie hast du, um den Fans einen Mini-Comiczeichenkurs zu geben, deinen Comic „technisch“ umgesetzt?

Miguel Fernandez: Hm… wohl auch nicht anders als andere Zeichner. Die vereinzelten Scribbles ordne ich auf Seiten an und arbeite sie zu einer Skizze aus. Auf einem Lichttisch inke ich die Zeichnungen, dafür benutze ich Fineliner in verschiedenen Strichstärken oder Pinselstifte. Für die Koloration scanne ich sie in den PC. Ich koloriere am Rechner, weil mir das eine ganze Palette von Effekten und Darstellungsarten bietet… auch Möglichkeiten zur selektiven Bearbeitung und zur Rücknahme schief gelaufener Arbeitsschritte. Das Lettering (aus meiner eigenen Schrift habe ich einen Computerfont gemacht) mache ich ganz zum Schluss.
Felsfest Open Air
CRS: Hast du Felsfest im Alleingang gemacht oder gab es Hilfe?

Miguel Fernandez: Es gab Hilfe. Ein professioneller Gagschreiber hat ab und zu über mein Skript gelesen und es ein wenig aufpoliert. Die Schlagzeilen in der Zeitung, die Frederiks Vater liest, waren z.B. fast alle von ihm, außerdem habe ich einen Drehbuch-Crashkurs von einem Medienwissenschaftler bekommen. War ja mein erster Comic.

CRS: Wann hast du mit Felsfest angefangen?

Miguel Fernandez: Im Frühjahr 2004 habe ich erste Notizen und Skizzen gemacht, die allerdings nicht mehr viel mit dem fertigen Ergebnis gemeinsam haben. Ab Sommer 2004 ging die eigentliche Arbeit richtig los.


CRS: Wie lange hast du für Felsfest gebraucht (von ersten Scribble-Arbeiten bis zur Fertigstellung)?

Miguel Fernandez: Insgesamt fast ein Jahr, kann man sagen. Zehn Monate, um genau zu sein. Von den ersten Charakterscribbles und Notizen zum Plot bis zur Fertigstellung verging ordentlich Zeit, wobei man nicht vergessen darf, dass ich im ersten halben Jahr auch noch studiert und mir die Theorie angeeignet habe und zur Fertigstellung eines Diploms nicht nur das Werk selbst gehört, sondern an unserer FH auch eine mindestens 40seitige Konzeption, eine Ausstellung und eine halbstündige Präsentation über Beamer und Mikro im Hörsaal, was alles Zeit und Nerven kostet.

CRS: Wie war der Weg von der Grundidee bis zum ersten Kontakt zu Schwarzer Turm? Hast du auch den großen Verlagen wie Egmont Ehapa und Carlsen dein Werk angeboten?

Miguel Fernandez: Die Grundidee ist wie gesagt auf einem Festival entstanden. Dann kamen erstmal viele Scribbles und Plot-Entwürfe. In der Zeit habe ich mich auch bemüht, die Theorie drauf zu kriegen. Während ich das Drehbuch schrieb, legte ich mich auf einen Stil fest, das heißt, ich habe mich um die Typografie gekümmert, mir überlegt, wie sehr ich Hintergründe und Charaktere abstrahieren und stilisieren möchte usw.
Das Charakterdesign war dann recht schnell gemacht. Anschließend habe ich eine Art Storyboard erstellt, die Bilder locker auf Seiten angeordnet und Skizzen auf A3 gezeichnet. Pro Tag habe ich dann eine Seite geinkt und koloriert, mich um die restlichen Aufgaben des Diploms gekümmert und bestanden. Ein paar Mailings mit Beispielbildern später habe ich dann drei gedruckte Exemplare verschickt und tatsächlich einen Verleger gefunden, der an „Felsfest“ glaubt. Bei den großen Verlagen hatte ich nicht angefragt.


CRS: Am Anfang von Felsfest gibt es eine Danksagung und eine Widmung an diverse Leute. Welche Rolle hatten sie bei der Entstehung von Felsfest? Ist Julia die Clair des Comics?

Miguel Fernandez: Du willst es wohl ganz genau wissen (grins). Die Rolle meiner Professoren dürfte klar sein, denke ich. Nabil hat mir besagten Crashkurs gegeben, Dennis hatte ein paar sehr gute Ideen, Anke und Ingrid haben Rechtschreibung und Grammatik überprüft und Clair sieht meiner Freundin Julia tatsächlich sehr ähnlich, wobei Julia aber nicht so naiv ist und sich nicht so leicht beeindrucken lässt.


CRS: Wie waren bislang die Reaktionen auf Felsfest?

Miguel Fernandez: Sehr gut! Überraschend gut, als Neuling habe ich nämlich echt nicht damit gerechnet. Wenn Kritik kam, dann von anderen Comiczeichnern, nicht so sehr von Lesern oder Kritikern.

CRS: Dein Name Miguel Fernandez macht neugierig: Geburtsname oder Künstlername?

Miguel Fernandez: Hähä, das werde ich immer wieder gefragt. Nein, das ist kein Künstlername, mein Vater ist Spanier. In Spanien wäre mein Name ungefähr so originell wie hierzulande „Michael Müller“ oder so, da würde man mich wohl eher fragen, warum ich mir keinen Künstlernamen zulege.

CRS: Seit wann zeichnest du? Gab es vor Felsfest bereits Verbindungen zum Medium Comic?

Miguel Fernandez: Ich habe eigentlich schon immer gezeichnet, wenn auch hier und da mal mit einigen Jahren Unterbrechung. Comicmäßig gab es vor „Felsfest“ noch nichts, die Verbindung bestand von meiner Seite aus nur als Fan. Als Illustrator und Designer habe ich schon während des Studiums gearbeitet und da konnte man auch schon einige Zeichnungen von mir sehen.
Felsfest Open Air
CRS: Was hast du bisher sonst noch gezeichnet?

Miguel Fernandez: Eine Kinderbuchillustration, Maskottchen für die Werbung und Verpackungen, Zeichnungen für Zeitschriften und 2D-Animationsfilme und und und…

CRS: Wurde etwas davon in Printmedien (oder anderen) veröffentlicht?

Miguel Fernandez: Ein paar Cartoons wurden bereits veröffentlicht. Ich weiß gar nicht, ob es die Zeitschriften, für die ich zum Beispiel die Horoskop-Piktogramme gemacht habe, überhaupt noch gibt. Auf ein paar Sendern liefen kurze Trickfilme, an denen ich bei Storyboard, Charakter- und Backgrounddesign und/oder Animation beteiligt war. Vielleicht hast Du ja beim Kauf von Tiefkühlkost schon etwas von mir gesehen ohne zu wissen, dass ich das war!

CRS: Wolltest du schon immer Comic-Zeichner werden? Macht Comic-Zeichnen glücklich?

Miguel Fernandez: Erst hatte ich eine wirtschaftliche Laufbahn eingeschlagen, was mir aber gar nicht lag. Vor nicht ganz zehn Jahren habe ich mir das erste Mal ernsthaft ausgemalt, wie es wohl wäre, in einen Laden zu gehen und mein eigenes Comicalbum im Regal zu sehen. Nun war ich vor einer Weile bei „Comix“ in Hannover und es war so weit. Klar hat mich das glücklich gemacht.

CRS: Gibt es andere Zeichner an denen du dich orientierst?

Miguel Fernandez: Nicht mehr, aber als Teenager habe mich schon an Brösel, Ralf König, Sperzel, Franquin und Uderzo orientiert, was man meinen Zeichnungen in „Felsfest“ sicher noch anmerkt. Obwohl mich das nicht besonders stört, versuche ich, das bei meinen Cartoons zu vermeiden.

CRS: Liest du selbst Comics? Wenn ja, welche?

Miguel Fernandez: Klar lese ich auch Comics. Besonders Funnies und die so genannten Graphic Novels haben es mir angetan.

CRS: Bist du Comic-Sammler?

Miguel Fernandez: Als Sammler würde ich mich nicht bezeichnen, obwohl ich noch nie einen Comic weg gegeben habe.

CRS: Es gibt seit längerer Zeit eine sehr lebendige deutsche Comic-Szene mit immer mehr (guten) deutschen Zeichnern. Die Leserschaft nimmt dagegen, außer im Manga-Bereich, immer mehr ab. Zu groß ist die Konkurrenz anderer Medien. Siehst du da Licht am Horizont? Material wie deines ist eigentlich sehr dazu geeignet, Jugend und Ü 20 gleichermaßen anzusprechen. Leider bleibt es meistens nur beim Achtungserfolg...

Miguel Fernandez: Ich denke, dass es irgendwann ein Umdenken geben wird, wie es zum Beispiel bei Hörspielen schon passiert ist. Auch das Medium Comic ist gerade dabei, das Vorurteil „Kinderkram“ abzuschütteln und sich neue Käuferschichten zu erschließen und so sehe ich die momentane Situation mehr als Durststrecke, die irgendwann überwunden sein wird.

CRS: Gibt es weitere Comic-Planungen? Felsfest hat Fortsetzungspotential …

Miguel Fernandez: Ein paar grobe Ideen für einen zweiten Band hätte ich schon. Ich denke aber, dass Frederiks Geschichte zu Ende erzählt ist und ein neuer Charakter die Hauptrolle spielen würde. Delli, Ecki und Ronnie, sowieso meine Lieblinge, wären wieder dabei, keine Frage.

CRS: Was machst du sonst noch beruflich? Von Comics kann man in Deutschland nur schwerlich leben ...

Miguel Fernandez: Stimmt, leben kann ich vom Comiczeichnen noch nicht. Ich bin Freiberufler und arbeite zurzeit an einem 2D-Animationsfilm mit, wo ich mich um die Backgrounds kümmere und auch am Storyboard gezeichnet habe. Sonst mache ich alles Mögliche… von Logoentwürfen bis hin zu Maskottchen. Für die Zukunft wünsche ich mir weiterhin gute Aufträge.

CRS: Sag bitte noch etwas zu deiner Homepage, deinen Cartoons und MAD!

Miguel Fernandez: Zu meiner Homepage www.gegen-den-strich.com gibt es nicht viel zu sagen, man soll sich ja die Cartoons angucken. Cartoons mache ich immer wieder gern und scheinbar mögen die Leute sie auch. Es wäre schön, wenn ich weiterhin ab und an mal einen Beitrag für’s MAD machen kann. Ohne das gute alte MAD hätte ich als Jugendlicher vielleicht gar nicht angefangen, Comics und Cartoons zu zeichnen.

CRS: Miguel, vielen Dank für das Gespräch. Ich hoffe, die Fans lesen bald neues Comic-Material von dir.

Miguel Fernandez: Hoffe ich auch, hähä…


(c) Abbildungen: Schwarzer Turm, Miguel Fernandez


 
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