Independent: Gregory
Depressingly funny Zuerst die gute Nachricht: Franz Kafka lebt! Nun die bessere: Bill Watterson setzt Franzens Geschichten (nach einem beherzten Griff in den Medikamentenschrank...) graphisch um. Und nun die seltsame: dieses geniale Team veröffentlicht sein Erstlingswerk unter dem Pseudonym "Marc Hempel". Alberner Name, aber das ist auch der einzige Fehler an diesem Comic.Gregory ist eine niedlicher Klapsmühleninsasse mit Wasserkopf und Zwangsjacke. Was seine Wirkung auf den unbedarften Funny-Leser so verheerend macht, ist die Tatsache, dass Gregory sein Leben, dessen pure Schilderung Depressionen erzeugen muss, ausgesprochen erfüllend findet. Gregory amüsiert sich königlich in seiner gammeligen Zelle, bedenkt seine Umwelt mit Äusserungen wie "Gug!", "Ug!" und "Kee Kee!" (und mehr hat sie auch nicht verdient...), gönnt sich auch gerne mal den einen oder anderen Schreianfall (naja, wir haben alle unsere Hobbies...) und macht auch sonst den Eindruck, gesünder zu sein, als seine Pfleger und Therapeuten, vielleicht sogar gesünder als seine Leser. Das ganze ist graphisch eher rabiat aber smart (bis auf die etwas unausgegorene Darstellung einiger Randfiguren), natürlich schwarzweiss und erreicht in seinen besten Momenten die atmosphärische Dichte von Stummfilmen wie "Nosferatu" oder "Das Kabinett des Dr. Caligari".
Tja, und das in lustig! Wer nun wissen will, was passiert, wenn die Zwangsjacke nachgibt und Gregory erstmals mit der Tatsache konfrontiert wird, dass er Arme hat, wappne sich mit 24.80 DM und begebe sich zum Comichändler seines Vertrauens. Kostenlos dazu gibt's einen Ausblick, was das Medium Comic leisten kann und ein paar philosophische Erkenntnisse, die, wie jede Medizin, bitter schmecken. Prädikat: depressingly funny! (hb) Gregory - Bd.1 Text und Zeichnungen: Marc Hempel 119 Seiten, Softcover Comic Press Verlag, 24.80 DM April 1997 |
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Zuerst die gute Nachricht: Franz Kafka lebt! Nun die bessere: Bill Watterson setzt Franzens Geschichten (nach einem beherzten Griff in den Medikamentenschrank...) graphisch um. Und nun die seltsame: dieses geniale Team veröffentlicht sein Erstlingswerk unter dem Pseudonym "Marc Hempel". Alberner Name, aber das ist auch der einzige Fehler an diesem Comic.
Das ganze ist graphisch eher rabiat aber smart (bis auf die etwas unausgegorene Darstellung einiger Randfiguren), natürlich schwarzweiss und erreicht in seinen besten Momenten die atmosphärische Dichte von Stummfilmen wie "Nosferatu" oder "Das Kabinett des Dr. Caligari".

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