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geschrieben von StefanS am Donnerstag, 07. Januar 2016 (2023 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Sex gesucht und viel mehr gefunden



SonnensteinAls die realistischere Version von Fifty Shades of Grey bewirbt Panini Sonnenstein. Pah! Typisches Werbeversprechen. Und dann ist es auch noch ein Comic, der zuerst als Online-Comic erschien – wohl keinen richtigen Verlag gefunden, oder was? Und überhaupt diese Masche mit S&M, die wirkte schon im gleichnamigen Song von Rihanna oder in den Bühnenschows von Britney Spears und Miley Cyrus wie eine billige, total aufgesetzte Verkaufsmasche. Das alles könnte man über den neuen Comic des Kroaten Stjepan Sejic denken, aber welcher Eindruck bleibt nach der Lektüre wirklich hängen?

Das Interessanteste und Hochwertigste an dem Film Fifty Shades of Grey ist vermutlich der Titelsong Love me like you do von Ellie Goulding. Die Handlung um eine devote, etwas verklemmte Frau, die die Wonnen der sexuellen Lust in Fessel-Spielen mit den dominanten Unternehmer Grey auslebt ist ein großer kommerzieller Erfolg mit unfreiwillig komischen Dialogen. Kann man mögen oder eben auch nicht. Ähnlich polarisierend war in den letzten Jahren etwa der Mormonen-Vampir-Kitsch Twilight. Alternative dazu boten etwa die ersten Staffeln von True Blood., ein Gegenprogramm zur Prüderie. Und so wie Sookie Stackhouse (an dieser Stelle seien die ersten Comics zur TV-Serie empfohlen) bietet auch Sonnenstein eine echte Alternative zu sensationsgierigen oder peinlichen BDSM-Geschichtchen.

Die zwei, jungen Frauen Lisa und Ally verbindet ihre bislang nicht ausgelebte Leidenschaft für BDSM. Lisa mag gerne gefesselt und dominiert werden, Ally gibt lieber den Ton an. Nach wochenlangem anonymen Chatten lernen sich die beiden attraktiven Damen endlich kennen und bauen Sitzung für Sitzung mehr Vertrauen zueinander auf. Der Sex ist für sie ein Spiel, genauer ein Rollenspiel, mit festen Regeln. Daher auch der Name des Comics, denn „Sonnenstein“ ist das Safeword der Frauen, mit denen jederzeit das Spiel gestoppt werden kann, falls es „Sklavin“ Lisa nicht gefällt.

Sonnenstein

Es mag die Herkunft als Onlinecomic sein, aber es passt durchaus auch zur Stimmung der Geschichte: die Bilder in Sonnenstein wirken unterkühlt. Von der, Verzeihung für das Wortspiel, fesselnden Erotik eines Milo Manara oder von Mangas wie My doll house oder Prison School sind Sejics Bilder deutlich entfernt. Attraktiv sind die Damen und sexy ebenfalls, aber es fehlen die üppige Sinnlichkeit, die hoch ästhetischen und im wahrsten Sinne des Wortes geilen Zeichnungen, die Guillem March oder Milo Manara bieten und die eine unwiderstehliche Anziehungskraft auslösen.

Dafür bietet dieser Comic erheblich mehr Tiefgang und erkennbar echte Menschen – etwas das bei anderen Erotikcomics gerne vernachlässigt wird. BDSM-Anhänger sind Sex-Nerds, so lautet einer der zentralen Sätze der Geschichte. Und anders als reißerische Pseudo-Dokus zu nachtschlafender Zeit auf RTL2 vermittelt dieser Comic einen fast schon sachlich-nüchternen Eindruck vom Reiz dieser sexuellen Spielart. Die Protagonisten werden nicht vorgeführt, sondern als richtige, facettenreiche Menschen dargestellt. Wenn Ally und Lisa über die gängigen Klischees lachen und vor ihrem ersten Treffen extrem nervös sind, weil sie eben zum ersten Mal im Leben die Rolle von Domina beziehungsweise Sklavin spielen, dann sind das die interessantesten Szenen im Comic. Unerwarteterweise sind die Passagen, in denen es um Liebe und Freundschaft geht, die eigentlichen Stärken von Sonnenstein.

Wenn es zu explizit werden würde enden die Szenen. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Lisa erzählt, gewährt aber auch immer wieder Einblicke in Allys Welt. Je mehr sich beide öffnen, ihre Unsicherheiten und Sorgen offenbaren, um so schwieriger wird es das Rollenspiel von jederzeit starker Herrin und ihrem zum reinen Objekt degradierten Sklavin aufrechtzuerhalten. Die Sex-Szenen wirken ästhetisch und eher harmlos. Eine entblösste Vagina und nackte Brüste, ansonsten sehr massentauglicher SM. Wer die Filmkomödie Brüno gesehen oder die Werke von de Sade, Die Geschichte der O oder American Psycho kennt kann beruhigt aufatmen – krass ist dieser Comic nicht. Ästhetischer BDSM mit einer tatsächlich berührenden, schönen Liebesgeschichte.

Sonnenstein

Ein Teil von Lisa dürfte mit Stjepan Sejic identisch sein. So wie seine Heldin schreibt auch der Zeichner und Autor Geschichten. Und beide leiden mitunter daran, weil ihnen partout nichts Vernünftiges einfallen will und der Schreibfluss zum Erliegen kommt. Im umfangreichen Bonusmaterial schildert der Autor das Burn-out, welches ihn fest im Griff hielt und das er erst mit der Arbeit an Sonnenstein überwand. Ursprünglich entstanden einige zusammenhanglose Bilder von Frauen in Fetischkleidung, welche er online veröffentlichte. Daraus erwuchs allmählich eine Geschichte. Sehr interessant zu lesen und eines der erfreulichsten und überraschenden Beigaben zu einem der Comicalben, mit denen Panini 2015 ins Segment der großformatigen Hardcover-Alben eingestiegen ist. Weiter so, macht Lust auf mehr! Erneut: Sorry fürs Wortspiel.

Wertung: 72 %

Sonnenstein Band 1
Genre: Erotik
Text &Zeichnungen: Stjepan Sejic
Übersetzung aus dem Englischen: Sandra Kentopf
132 Seiten, Hardcover, farbig
Extras: 36 Seiten Skizzen und Erläuterungen von S. Sejic
2015 Panini Comics, 24,99 Euro

Band 2 erscheint voraussichtlich im Juni 2016



Am Besten kauft man Sonnenstein beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...
Sonnenstein Bd. 1 kann man auch hier kaufen
Sonnenstein



Leseprobe zu Sonnenstein Bd. 1


(c) der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung: 2014 Stjepan Sejic, 2015 Panini Verlags GmbH
 
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