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Before Watchmen: Rorschach :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!
09.06.2026, 10:56 Uhr
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geschrieben von StefanS am
Donnerstag, 13. Juni 2013
(1044 Aufrufe)
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Das zwiespältige Event des Comic-Jahres 2013
Mit den Bänden zu Minutemen und Rorschach beginnt Before Watchmen am 18.6.2013 in Deutschland. Anders als bei den Hardcover-Ausgaben aus den USA wurden hier nicht zwei Bände zu einem zusammengefasst, sondern jeder bekommt ein separates Buch.
Insgesamt sind es acht Geschichten, die bis in den Herbst erscheinen werden: Minutemen, Rorschach, Comedian, Nite Owl, Ozymandias, Silk Spectre, Dr. Manhattan und Crimson Corsair. Ganz unterschiedliche Figuren, und ganz bewusst ganz unterschiedliche Zeichenstile. Los geht's mit dem sehr beeindruckenden Stil von Lee Bermejo, den er bereits in Batman: Noël zum Besten gab und für den er im Vorwort der Gotham-Weihnachtsgeschichte immerhin von Jim Lee gelobt wurde. Die Texte stammen von Brian Azzarello (Hellblazer, Superman: Der Mann von morgen), der ebenfalls den Band Comedian schrieb. Sollten treue Alan Moore Fans einen Bogen um diese Vorgeschichte des Comic-Meilensteins Watchmen machen? Ist es, wie von manchen befürchtet, ein würdeloses Melken einer Geldkuh oder lohnt es sich eventuell sogar und macht vielleicht auch noch Spaß?
Die in den USA von Oktober 2012 bis April 2013 in vier Heften erschienene Mini-Serie Rorschach spielt im Jahr 1977 in New York City. Vor den drastischen Veränderungen der Stadt, manche sagen, inzwischen sei der Big Apple eine Art Disneyland geworden und meinen damit, dass alles so sauber, steril und kommerziell geworden sei, hatte die Metropole an der US-Ostküste massive Probleme. Nach Vietnamkrieg, Watergate und der Plage Heroin (siehe etwa den Film American Gangster) drückte sich der Frust der Jugend etwa in der aggressiven Punk-Musik aus. Das wäre dann auch die passende Musik für die Verfilmung dieses Comics, wobei Hauptfigur Walter Kovac alias Rorschach wahrscheinlich eher beruhigende, kitschige Musik aus "der guten alten Zeit", also für ihn wohl aus den 1930er bis 1950er Jahren hört. In die neue Zeit passt er jedenfalls überhaupt nicht mehr mit seinem wohl altmodischen Denken und Verhalten. Eine Atmosphäre wie in den Filmen "Zodiac - Die Spur des Killers" und "Taxi Driver" hat diesen düsteren, mit schwarzem Humor aufgelockerten, Comic ganz offensichtlich stark beeinflusst. Zum Thema Taxi Driver gibt es im Nachwort von Christian Endres noch Anmerkungen, wohl vor allem für diejenigen, die diesen enorm einflussreichen Klassiker noch nicht kennen sollten (zumindest kennt wohl fast jeder das berühmte Zitat von DeNiro: "Redest Du mit mir?").
Hatte Rorschach einfach nur eine schwierige Kindheit und hätte er sich nicht auch anders entwickeln können? Leser des Comics von Moore und Gibbons wissen bereits das Wichtigste über diese Figur, die beinahe so ein radikaler Faschist ist wie Ozymandias. Trotz offensichtlich schwerer psychischer Probleme hat der Mann mit Maske, Hut und Mantel (Hut und Mantel = Sittenstrolch? Moore und Gibbons habe die Verklemmtheit und Seltsamkeit dieser Figur wahrlich brillant herausgearbeitet!) etwas liebenswertes an sich hat. Man mag ihn, man versteht ihn, man will ihm helfen oder auch einfach mal seine wirren Revolverblätter, mit den wüsten Verschwörungstheorien, wegnehmen. Ein äußerst amibivalenter Mensch. Und polarisierend ist ja auch die Idee Watchmen eine Vorgeschichte zu verpassen, etwas das Alan Moore öffentlich strikt ablehnte. Schaden nimmt Rorschach dank dieses Comics eindeutig nicht! Die Leser erfahren mehr über ihn und vor allem auch über das New York der 1970er Jahre, in dem Drogen und Zuhälter manche Straßenzüge prägten und ein Stromausfall sofort genutzt wurde, um Scheiben einzuschlagen und zu plündern - nichts als wilde Tiere meint Rorschach. Das wir ihn bei ihnen wichtigem Wendepunkt in seinem Leben beobachten dürfen, ist erfreulich. Der völlig übertriebene Gangsterboss, dem er sich entgegenstellt wirkt allerdings wie aus einem Punisher-Comic, viel zu übertrieben und unrealistisch, Alan Moore arbeitet deutlich subtiler. Überhaupt wirkt die Geschichte bei weitem nicht so komplex und packend wie Watchmen, die Zeichnungen allerdings sind wieder brillant (Noël ist allerdings sogar noch prachtvoller!).
Schön war's, das Wiedersehen mit dem schwer gestörten, alten Weggefährten Rorschach. Die Vorfreude auf die weiteren sieben Bände ist geweckt und ja, ein After Watchmen, darf auch gerne kommen!
Wertung: 80 %
Before Watchmen: Rorschach
104 Seiten, Softcover, Farbe, Autor: Brian Azzarello, Zeichner: Lee Bermejo, Übersetzung: Joachim Körber, Extras: Vor- und Nachwort von Christian Endres, Cover-Galerie, DC Comics / Panini 2013, 12,95 Euro
Ebenfalls erschienen: Auf 666 Exemplare limitiertes Hardcover, 25 Euro
Am Besten kauft man sich den Band beim Comichändler seines Vertrauens...jedoch...
Before Watchmen: Rorschach kann man auch hier kaufen.
(c) der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung: DC Comics / Panini Comics
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