Baru: Schönes Neues Jahr - Leseprobe :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von Maqz am Freitag, 16. März 2012 (2301 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Drei Kurzgeschichten des Ausnahme-Künstlers

Baru: Schönes neues JahrMit “Schönes Neues Jahr” ist jetzt ein neues Baru Album  bei Edition 52 erschienen, dass in dieser Form eine deutsche Erstveröffenlichung ist - wobei eine Kurzgeschichte schon vor einigen Jahren im Schweizer Comicmagazin STRAPAZIN bereits vorabgedruckt wurde. Der Band enthält keine neue Geschichte des französischen Autoren und Träger des “Grand Prix” des Comicfestivals in Angoulême, sondern drei beeindruckende Kurzgeschichten aus dem Frühwerk des Künstlers. Und die ComicRadioShow präsentieren hier eine Leseprobe bis Seite 25 mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Drei radikale Geschichten voller Gewalt, Macht, Sex und Rock N Roll. Zum allerersten Mal wagt Baru hier einen Blick in die Zukunft – und die sieht alles andere als schön aus. In den beiden Versionen von „Schönes neues Jahr“ kommen Extremisten an die Macht und machen Jagd auf Ausländer und in der Kurzgeschichte „Irische Ballade“ bekommen es protestantische Rock-Musiker mit gewaltbereiten Katholiken zu tun, Shakespeare-Drama inklusive.
Baru steht für eine anspruchsvolle Erzählweise, sozialkritische Themen und ein energiegeladenes, außergewöhnliches Artwork – ein herausragender Meister des franko-belgischen Autorencomics.

Schönes neues Jahr,
s/w, 144 Seiten Klappenbroschur,
Edition 52, 15 EUR,
soeben erschienen.


Marco Behringer schreibt im Vorwort:


Hervé Baruléa zeigt in seinen Comics eine
Vorliebe für sozialkritische Themen.
Häufig sind junge Außenseiter seine
Antihelden, sie sich mit Problemen der Migration,
des Rechtsradikalismus oder der Armut
auseinandersetzen müssen. Das zieht sich wie
ein roter Faden durch das Werk des Franzosen.
Barus Werke wie das zweibändige »L’Enragé«
(dt. »Wut im Bauch«, 2004–2006) wurden gewissermaßen
durch die Zeitgeschichte eingeholt
– im Oktober und November 2005 kam es
in französischen Vorstädten zu dreiwöchigen
Aufständen. Im Laufe dieses Zeitraumes verlor
der urbane Aufstand erstmals in der Geschichte
Frankreichs seinen lokalen Charakter
und breitete sich in beinahe 300 Kommunen
aus. Comics wie »Cours, camarade!« (dt. »Lauf,
Kumpel!«, 1988) zeigen den sozialen Nährboden
für die Proteste auf. Die Arbeiten Barus
spielen immer in der unmittelbaren Gegenwart
– eine konkrete Vorhersage in Form einer
Zukunftsgeschichte hat er jedoch vermieden.
Der Autodidakt betont, dass er die Realität
abbilden will. Dadurch unterscheidet er sich von
ähnlich sozialkritisch ambitionierten Autorenkollegen
wie Enki Bilal, deren Arbeiten der
Phantastik oder Science Fiction zugerechnet
werden. Mit der Kurzgeschichte »Bonne Année«
(dt. »Schönes neues Jahr«) realisierte Baru 1995
schließlich doch noch ein Zukunftsszenario.
Die Erzählung war ursprünglich im Jahr 1999
angesiedelt und inhaltlich eine Anti-Utopie.
Auch in diesem Fall hebt der Autor nicht in
phantastische Gefilde ab, sondern thematisiert
die Realität, wie sie eintreten könnte. Der
20-seitige Kurzcomic war ein Beitrag für die
Reihe »Histoires Graphics« der Éditions Autremont
und wurde 2000 im Comic-Magazin
»Strapazin« (Nr. 58) auf Deutsch abgedruckt.
Auf Basis der Kurzgeschichte entstand 1999
das gleichnamige Album bei Casterman, das
inhaltlich den düsteren Ausblick noch weiterentwickelte.
Wenn man den Titel »Bonne Année« genauer
betrachtet, kommt einem sofort der Verweis
zum Literaturklassiker »Brave New World« (dt.
»Welt – wohin?«, 1932; später auch: »Wackere
neue Welt«/»Schöne neue Welt«) in den Sinn.
Aldous Huxley verfasste die negative Utopie
als Antwort auf H. G. Wells‘ Utopie »Men like
Gods« (dt. »Menschen, Göttern gleich«, 1923).
Wells entwarf eine harmonische Idealgesellschaft
und Huxley kritisierte daraufhin die
moderne Zivilisation und deren Fortschrittsoptimismus.
»Brave New World« zeichnet eine
negative Entwicklung der Menschheit, deren
Leben aus einer sinnentleerten Technologie
und einer zweckrationalisierten Planung
besteht. Neben »Nineteen Eighty-Four« (dt.
»1984«, 1949) von George Orwell zählt Huxleys
Roman zur einflussreichsten Dystopie überhaupt.
Das Genre zeichnet sich durch ein
düsteres Zukunftsbild und die Einbeziehung
von sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen
aus, womit es sich von der tendenziell technisch-
naturwissenschaftlichen Science Fiction
abgrenzt. »Bonne Année« ist nicht nur ein
Verweis auf Huxley – vielmehr schließt Baru
an die Tradition der Gegenutopien generell an.
Barus Kurzcomic spielt zur Jahreswende in
der nahen Zukunft Frankreichs. Hier nimmt
die nackte Angst des Autors eine erschreckende
Gestalt an: die Rechtsextremisten gewinnen
die Wahl. Bereits in früheren Werken wie
»Cours, camarade!« und dessen ausgearbeiteter
Version »L’Autoroute du Soleil« (dt. »Autoroute
du Soleil«, 2000) wurden Barus Helden
zu Zielscheiben von gewalttätigen Rechtsradikalen.
In »Bonne Année« spitzt sich der rechte
Terror noch zu: Ausländer werden verfolgt und
die Pariser Vorstädte werden abgeriegelt. Auch
dieses Schreckensszenario wurde gewissermaßen
von der Realität eingeholt. 2002 erreichte
der rechtsextreme Politiker der Front National,
Jean-Marie Le Pen, immerhin die zweite Wahlrunde.
Aus der politischen Machtergreifung
wurde bekanntermaßen doch nichts. Aber 2012
tritt Le Pens Tochter Marine gegen Sarkozy
an. Als Chefin der Front National hat sie ihre
Partei gesellschaftsfähig gemacht und für neue
Wähler geöffnet.
Vorläufig bleibt Barus Schreckensvision eines
rechtsradikalen Staates zwar noch aus, in der
jüngsten Vergangenheit machte der Rechtsextremismus
jedoch in Form des Terrorismus
Schlagzeilen. Im Juli 2011 massakrierte der
32 Jahre alte Rechtsextremist Anders Behring
Breivik auf der Insel Utøya 69 Teilnehmer eines
sozialdemokratischen Jugendlagers und tötete
im Osloer Regierungsviertel acht Menschen
durch eine Autobombe. In Deutschland wurde
im Zusammenhang mit rechtsextremem Terror
ein Ermittlungsskandal bekannt: jahrelang
tappten die Ermittler im Dunkeln, bevor die
Drahtzieher der Zwickauer Terrorzelle gefasst
wurden. Das »Nazi-Trio« erhielt Unterstützung
aus der rechtsextremen Szene, fotografierte seine
Opfer und drehte Videos mit faschistischen
Inhalten. Die Gefahr des Rechtsextremismus
wird leider wieder greifbarer. Unlängst hat
eine Studie belegt, dass jeder fünfte Deutsche
latent antisemitisch eingestellt ist. Durch diese
jüngsten Ereignisse und Befunde entpuppt
sich »Bonne Année« prophetischer als manch
einer 1995 noch vermutet hätte. Wenn Baru in
die Zukunft blickt …


Baru schreibt zu seinem Werk:


Diese drei Erzählungen sind etwa um die
gleiche Zeit entstanden wie »L‘Autoroute
du Soleil«, also zwischen den Jahren
1995 und 1998.
Diese, auf Bitten des japanischen Verlegers
Kodansha realisierte zeichnerische Erfahrung
hatte mir, unter anderem, erlaubt, mich mit der
geforderten Technik vertraut zu machen: dem
Gebrauch des Schwarz-Weiß, auch wenn ich
es in einer abgeschwächten Version tat, mit
Grautönen, zweifellos, um mich nicht der stilistischen
Radikalität meines Meisters José
Munoz stellen zu müssen. Schließlich entdeckte
ich, dass diese Technik, aufgrund ihrer relativ
schnellen Ausführung, meiner Suche nach
einer nervösen, im Dienste einer dynamischen,
reaktiven Erzählweise stehenden Grafik absolut
angemessen war.
Es war also nur natürlich, dass ich diesem
Weg, den ich meinem japanischen Abenteuer
verdankte, treu blieb, als mir die Éditions
Autrement 1995 vorschlug, bei einem Sammelband
mit dem Thema »20 Jahre alt sein im Jahr
2000« mitzumachen.
Ich zeichnete daraufhin »Schönes neues Jahr
2016«, damals hieß es allerdings nur »Schönes
neues Jahr«, denn ich wusste noch nicht, dass
ich dieses Universum zwei Jahre später für den
Verlag Casterman erweitern würde, als Reaktion
auf die explosionsartige Ausweitung des
rassistischen, fremdenfeindlichen Geschwürs
der Front National von J.-M. Le Pen in Frankreich.
In den 90er Jahren war die französische
Politik geprägt von der galoppierenden Ausbreitung
der Thesen der extremen Rechten, die
ihren Höhepunkt in der Kandidatur Le Pens
beim zweiten Wahlgang zum Präsidenten der
Republik fand.
Dieses »Schöne neue Jahr« (ich hatte den Titel
beibehalten) erschien 1995 bei Casterman.
Seither sind die Vorstädte, wie sie zweifellos
wissen, explodiert, vor allem im November
2005. Ich habe nicht die Absicht, mich als Mahner
vor diesen Ereignissen zu verstehen. Das
Desaster war absolut vorhersehbar für alle, die
auch nur ein geringes Interesse an den sozialen
Fragen des Landes hatten.
Aber die Dinge haben sich geändert, werden
Sie mir sagen. Das ist nicht sicher! Ich für meinen
Teil glaube, die Läuse sitzen jetzt in einem
anderen Pelz und jene, die vor zehn Jahren für
den Erfolg der Front National gesorgt haben,
sind dafür verantwortlich, dass wir es heute
mit Sarkozy zu tun haben.
Und mag Sarkozy auch lächerlich wirken, weil
er versucht, einem Berlusconi zu ähneln, der
Aldo Maccione* imitiert, so ist er nichts desto
trotz der kaum entschärfte Erbe von J.-M. Le
Pen. Deshalb erschien es mir auch nicht illegitim
anzunehmen, dass beide »Schönes neues
Jahr«-Geschichten unvermindert aktuell sind
und sie so neu zu veröffentlichen, wie sie sind,
mit der Ausnahme natürlich, dass ich die Figur
Le Pens durch die Sarkozys ersetzt habe.
Die dritte Geschichte, »Irische Ballade«, stammt
von 1996. Es handelt sich um einen Auftrag
der Edition Bauart für ein Magazinprojekt.
Auf Bitten des Verlegers habe ich eine Erzählung
adaptiert, die Rodolphe auf der Basis von
»Romeo und Julia« geschrieben hatte. Sie hieß
»Bad Song« und griff, wenn ich mich nicht
irre, die archetypische Liebestragödie vor dem
Hintergrund der Rockmusik und des Krieges
in Nordirland auf. Ich stellte bei meiner Adaption
den Krieg in den Vordergrund, weil er
1996 noch von erschreckender Aktualität war.
Ich sage Ihnen das, um der Frage zuvorzukommen,
die Sie mir unweigerlich am Ende ihrer
Lektüre stellen werden: »Was zum Teufel hat
Shakespeare mit dieser Geschichte zu tun?!«
Das Magazin ist niemals erschienen und die
»Irische Ballade« blieb unveröffentlicht, bis
Coconino Press und Vertige Graphique sie 2004
in Black Nr. 1 veröffentlichten.

* Aldo Maccione ist ein italienischer Komiker,
der früher auch in Frankreich sehr bekannt war.
(Anm. des Übers.)



Baru: Schönes Neues Jahr

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Das ganze Comic kann man gerne hier beim Verlag selber kaufen

Eine weitere Leseprobe aus dem Heft (von der zweiten Kurzgeschichte) gibt's hier

Bitte unterstützt den Verlag, damit weitere Werke dieser Art veröffentlicht werden können! Bis zum Sonntag ist der Verlag auch mit einem Stand auf der Leipziger Buchmesse zu finden. Einfach mal vorbeischauen!

Danke


Eure CRS-Chefredaktion!

(c) der Abb.: Edition 52 und Baru

 
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