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geschrieben von M.Behringer am Donnerstag, 22. September 2011 (3874 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Kraftvolles und kunstvolles Nietzsche-Porträt



Nietzsche Auch der Knaus Verlag, der zur Verlagsgruppe Random House dazugehört, hat nun die Graphic Novel ins Programm genommen. Und mit 'Nietzsche' hat man da gleich einen dicken Fisch an Land ziehen können. Der Spiegel berichtete bereits über die französische Originalausgabe! Nun liegt die Comicbiographie auch auf Deutsch vor. Gleich vorweg: es ist kein Comic im Sinne von 'Nietzsche für Dumme' oder eine trockene Chronologie des Philosophen.

Friedrich Nietzsche hat es nicht leicht: Für die Wissenschaft ist er zu poetisch, für die Literatur dagegen zu wissenschaftlich. Seine religionskritischen Thesen stoßen auf wenig Anklang. Dabei stand sein Stern von Beginn an unter keinem guten Vorzeichen wie uns Michel Onfray und Maximilien Le Roy verdeutlichen. Denn Nietzsches Vater verstarb früh und seine Mutter wollte, dass er Pastor wird, doch Friedrich Nietzsche wird schon als 24-jähriger Professor für Philologie. Sein revolutionäres Gedankengut sollte erst Jahrzehnte später von einem breiten Publikum gelesen werden. Seine radikalen Ansichten sind aktueller denn je.

Nietzsche

Der Comiczeichner Le Roy ist an einer Illustration von Nietzsches Ideengut als Comic gescheitert. Erst das dramaturgisch interessant aufbereitete Drehbuch von Onfray ermöglichte es ihm, doch noch einen Comic über den Dichter, Philosophen und Professor zu machen. Was die beiden da zustande gebracht haben ist meines Erachtens nicht weniger als eine der besten Graphic Novels überhaupt. Die beiden Autoren machen nicht den Fehler und erzählen Nietzsches Leben als langweilige Faktensammlung, sondern als lebhaften und ausdruckstarken Episodencomic.

Auf diese Weise werden die frühkindlichen Eindrücke des Deutschen genauso nachvollziehbar wie seine spätere psychische Erkrankung. Die Essenz seiner Philosophie wird durch schlaglichtartige Dialoge dargestellt. Sicherlich es nur ein Streifzug durch dessen Gedankenwelt und kann eine ausgiebige Lektüre seiner Einzelwerke nicht ersetzen, aber das will die Graphic Novel ja auch gar nicht. Meiner Meinung nach macht sie den Denker aber für neue Generation oder Leser interessant.

Nietzsche

Kenner können sich dagegen über ein ungewöhnliches Porträt erfreuen. Traumsequenzen, Abstraktionen, Reiseeindrücken und zuletzt Visionen ergänzen die realistischen Sequenzen. Ohne Erzähltext und mit vielen stummen Passagen lässt sich das Buch meines Erachtens temporeich und sogar spannend lesen ohne dabei jedoch zu trivialisieren.

Dafür sorgt nach meiner Ansicht nach vor allem auch das kunstvolle Artwork von Le Roy. Mit Bleistift (oder Kreide?) führt er einen filigranen Strich. Seine Zeichnungen wirken detailliert und leicht expressiv. Egal ob Reisebilder oder hitzige Debatten – stets wirken die Illustrationen kraftvoll und ausdrucksstark. Gleichzeitig verströmen die Bilder auch Ruhe und Zurückhaltung. Das liegt an der Kolorierung: gedeckte Farben erzeugen eine dichte Atmosphäre.

Nietzsche

Onfray und Le Roy ist ein brillantes Nietzsche-Porträt gelungen, dass meiner Meinung nach keinesfalls nur für Kenner oder Philosophiestudenten geeignet ist. Die Graphic Novel ist schlichtweg eine spannende und kunstvolle Auseinandersetzung mit einer schillernden Persöhnlichkeit: einem der größten Denker, der zu Lebzeiten leider völlig verkannt wurde.

Nietzsche


Nietzsche
von Michel Onfray und Maximilien Le Roy
128 Seiten, Hardcover
Knaus Verlag 2011, 19,99 Euro



Nietzsche kann man gerne auch hier kaufen.


LESEPROBE zu Nietzsche


(c) der Abb.: Knaus Verlag und Le Roy

 
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