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geschrieben von Micha am Mittwoch, 16. Dezember 2009 (4722 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Drogentrip in schwarz-weiß



Vier Augen „Keine Angst, ich bin ein ganz normaler Hund“, beteuert der Hund, aber irgendwie... nimmt man es ihm nicht ab. Mal abgesehen davon, dass er überhaupt etwas sagen kann, hat er zwar einen Hundekopf, aber kein Gesicht, dafür aber einen muskulösen Männerkörper. Tja, Sascha hat zu viele Drogen genommen: Hasch, LSD, Pilze – nur Schokolade lehnt er ab, weil er meint, man müsse auch ohne deren Glückshormone glücklich sein können. Doch die Erkenntnisse aus den Drogenerfahrungen haben ihn nirgendwohin gebracht. Was anfangs noch ein gemeinsamer Zeitvertreib der Oberstufen-Clique war, bei dem man zusammen spannende neue Erfahrungen machte, isoliert die Freunde immer mehr voneinander, weil jeder nur noch in seiner eigenen Drogenwelt steckt, zu der die anderen keinen Zugang mehr haben.

Diese Entwicklung erzählt Sascha Hommer in seinem autobiographischen Comic ohne moralischen Zeigefinger und sehr subtil. Fast unmerklich werden die Augenringe der Freunde immer tiefer und ihre Kleidung zerlumpter. Am Schluss können sie sich gar keine andere Freizeitbeschäftigung mehr vorstellen und grübeln, woher sie noch an Stoff kommen können. Saschas Beziehung zu der magersüchtigen Julia bleibt oberflächlich, auch mit dem Sex klappt es nicht, und die ehrlich an ihm interessierte Magda wendet sich ob der Einseitigkeit seiner Gesprächsthemen von ihm ab. Als er schließlich das Dope wegwirft und stattdessen joggen geht, inszeniert Hommer das nicht als Triumph, sondern einfach als nächsten Schritt eines Weges, dessen Ziel im Dunklen bleibt.

Vier Augen

Trotz der außerordentlich gekonnten und gefühlvollen Zeichnungen, die dankbarerweise auf ausufernde Drogentrip-Darstellungen verzichtet, sondern diese nur beiläufig einstreut, berührt „Vier Augen“ weit weniger als Hommers Erstling „Insekt“. Dazu bleibt die Erzählung zu sehr an der Oberfläche, die Charaktere in ihr zu passiv. Ein Absturz in echte Abhängigkeit und Kriminalität, wie man sie aus anderen Werken zum Thema kennt, bleibt aus, die Situation letztlich zu unbedrohlich, um spannend zu sein. Aber es ist eben Autobiographie, und in der Wirklichkeit war es halt so. Dennoch gelingt es Hommer sehr gut, den Zustand der jugendlichen Ziellosigkeit und das dazugehörige Lebensgefühl fühlbar zu machen, und zwar so gut, dass der Hund in der Rahmenhandlung von Sascha fordert: "Kannst du nicht ein wenig spannender erzählen?" Aber zumindest die zeichnerische Darstellung der verschiedenen Personen verleiht ihnen eine gewisse Lebensnähe: Dank Hommers differenziertem Strich findet man so manchen Typ Mensch, dem man im eigenen Leben schon begegnet ist, in „Vier Augen“ wieder.

Vier Augen

Noch eine Bemerkung des Sprachpedanten in mir: Hommer scheint viele Comics im englischen Original zu lesen, denn Interjektionen wie das das überraschte "Hä?" schreibt er konsequent in amerikanischer Schreibweise, was in einem ansonsten deutschen Text ein unpassendes "Huh?" einsetzt und den Lesefluss damit stört (meinen zumindest), denn das "Huh?" kommt natürlich im deutschen Text als "huh" heraus und nicht als "hä". "Huh" würde in der Situation allenfalls eine Eule sagen. Den Konjunktiv allerdings wendet Hommer völlig korrekt an, Ehre wem Ehre gebührt.


Vier Augen
von Sascha Hommer,
124 Seiten, Softcover,
Reprodukt, 13 Euro



Vier Augen solltest Du unbedingt bei REPRODUKT kaufen.

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Vier Augen


(c) der Abb.: Reprodukt und Sascha Hommer

 
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