Kleine nackte Mädchen
[1]Ist es das was Ihr sehen wollt?
Es sind keine Frauen, es sind keine Kleinkinder. Sie liegen irgendwo zwischen 10 und 14 und sind die Protagonistinnen einer Reihe von Comics, die in der letzten Zeit erschienen sind: Halbnackte bis nackte Mädchen.
In den 40er und 50er Jahren [2] tummelten sich in den Panels fast nur atomblonde Mitt30er, Körbchengröße D. Heute spannen Generationen von Lesern auf Horden japanischer Schulmädchen, halbnackter SciFi Amazonenanwärterinnen oder weiblicher Wolfsmädchen mit Kleidern aus dem Hause "Eva".
Mit dem derben japanischen Humor und viel abstruser Kampftechnik kommt das insgesamt 3x in Deutschland verlegte Ranma 1/2 [3] daher. Die derzeitige Taschenbuchserie (aktuell erscheint Ausgabe
5) aus dem Hause Ehapa [4] gefällt mir mehr wegen des (einfachen) Humors, der eine Mischung aus Dick und Doof und südamerikanischer Soap-Opera sein könnte, wenn es kein waschechter japanischer Manga [5] wäre - Kampf, Romantik und kurze Röcke. Die Idee, einen Jungen zu einem Mädchen zu machen, wenn er/sie ins (kalte) Wasser fällt ist genial. Er erfüllt den Wunschtraum vieler Männer. 8-) (Aleks' Meinung könnt ihr hier [6] nachlesen)
Eine Geschichte ganz anderer Art (aber auch mit halbnacktem jungen Mädchen) ist "Sillage" (Carlsen [7]). Als einzige Überlebende eines Raumschiffabsturzes lebt die junge Nävis auf einem paradiesischen Dschungelplaneten. Wie auch bei Pyrenea (getextet von Régis Loisel) gibt es hier einen tierischen Gefährten in Gestalt eines Säbelzahntigers. Bei Ranma 1/2 ist es ein Panda und bei Pyrenea (Ehapa [8]) leckt ein ehemaliger Tanzbär den Hintern der Kleinen, die sich versehentlich in einen Ameisenhaufen gesetzt hat. Wer möchte da nicht gerne zum Tier werden? 8-))
Ok, ok, das war jetzt ziemlich politisch unkorrekt! Ich geb's ja zu! Aber schließlich sind wir es, die diese Comics immer wieder lesen, sonst würden sie ja nicht gedruckt, oder? Viel läßt sich über die Ursachen dieser Erscheinung sagen. Viel Unsinn, viel Sinniges.
Am Beispiel vom hervorragenden Album Pyrenea zeigt sich, dass es eigentlich völlig egal ist, ob das Mädchen fast den ganzen Comic über nackt ist (aber was spräche dagegen, wenn sie was anhätte? - svl). Schließlich ist es die Geschichte vom Mädchen, dass Mowgli-gleich von einer Bärin in der Wildnis aufgezogen wird und dabei vieles lebenswichtige lernen muss, auch Liebe, Trennung und Erwachsenwerden.
Letztendlich ist die mädchenhafte Nacktheit (bei diesen drei Comics!) nur der "Aufreißer" für alle permanent geilen männlichen Comicleser, um endlich mal wieder zu einem guten Comic zu kommen. "Ranma 1/2" ist lesenswert, weil einfach lustig, "Sillage" ist ein mittelprächtiger Science Fiction mit schönen klaren Zeichnungen und Pyrenea ist hochgradig poethisch in seiner Parallelität zu Rudjard Kipling.
Also nicht gut wegen der nackten Mädchen [9], sondern einfach gute Comickunst, die sich lohnt! (mg [10])
[11] Sillage Bd.1: Feuer und Asche
Zeichnungen: Philippe Buchet
Text: Jean-David Morvan
48 Seiten, Softcover
Carlsen, 19.90 DM
Juni 1999
Ranma 1/2 - Buch 5: Die Katzen
Text & Zeichnungen: Rumiko Takahashi
192 Seiten, Taschenbuch
Ehapa, 9.95 DM, 73.- ÖS
Juli 1999
[12]Pyrenea
Text: Régis Loisel
Zeichnungen: Philippe Sternis
68 Seiten, Hardcover
Ehapa, 24.80 DM, 181.- ÖS
Juli 1999
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