"...mit einem Gespür für Magie!"
[1] Es gibt Comics, die sich bemühen, originell zu wirken, und dann gibt es "Maximillo und der Gloriogant", der es einfach ist. Marco Finkenstein legt mit diesem Band seine erste lange Comicerzählung vor, und man merkt auf jeder Seite, dass hier jemand eine eigene Welt erfunden hat, statt sich an vertrauten Fantasy-Versatzstücken zu bedienen. Statt der üblichen Elfen und Drachen bevölkern ganz andere Figuren dieses Universum, und schon an deren Namen zeigt sich eine Lust an Sprache, die dem ganzen Buch seinen eigenwilligen Ton gibt. Dazu kommen 184 durchgehend farbige Seiten, die dicht gezeichnet sind und dieser Welt visuell genau die Fantasie mitgeben, die sie verdient.
Worum es geht, lässt sich erzählen, ohne etwas vorwegzunehmen: Im Zentrum stehen Maximillo, ein eher zurückhaltender Held wider Willen, und seine Schwester Psia, klug, mutig und mit einem Gespür für Magie. Die beiden geraten in ein Abenteuer rund um den rätselhaften Glorioganten, das sie in gefährliche Begegnungen und durch eine Welt führt, die man so vorher nicht gesehen hat. Ganz nebenbei stellt die Geschichte eine Frage, die weit über das Genre hinausreicht, nämlich ab wann Bewunderung und Macht kippen und zur Bedrohung werden.
Marco Finkenstein war bislang vor allem als Cartoonist bekannt, unter anderem durch Arbeiten für Titanic und FRIZZ Das Magazin. Mit "Maximillo und der Gloriogant" wagt er den Schritt zur langen grafischen Erzählung, und dieser Schritt gelingt. Der Comic ist über zwei Jahre hinweg an verschiedenen Orten in Europa entstanden, was man den Bildern in ihrer Vielschichtigkeit durchaus ansieht.
Woran das nun wiederum liegt, zeigt sich am schönsten in den kleinen Dingen. Statt der eben ewig gleichen Halblinge oder Orks tummeln sich bei "Maximillo und der Gloriogant" Grollbrommer, Flachshexen und die herrlich benannten Allengefaller die man beim Vorlesen förmlich mitgrinsen hört. Auch der Raschelkratzwald funktioniert nach dem Prinzip Instant-Kopfkino, noch bevor man gedanklich den Wald überhaupt betreten hat. Diese Freude am Erfinden, am Klingenlassen und Neuzusammensetzen von Sprache zieht sich durch das gesamte Buch und ist genau jene Sprachakrobatik, die Marko Finkensteins Fantasywelt sehr lebendig macht, statt sie nur zu behaupten. Unter der bunten und permanent abenteuerlichen Oberfläche schwingt zudem eine Frage mit, die man in diesem Genre selten so beiläufig gestellt bekommt, nämlich ab wann aus Bewunderung Macht wird und aus Macht eine Bedrohung. Das gibt dem Ganzen, neben allem Witz und Tempo, einen feinen, nie belehrenden Unterton, quasi die Moral, die auch erwachsene Leser inspiriert. Und weil das Auge natürlich mitliest, trägt eben die dichte, farbenprächtige Bildsprache gebunden im Hardcover diese Welt zusätzlich mit ganz eigener Wucht.
Dass ein solches Buch überhaupt seinen Weg in die Läden findet, ist auch der Arbeit von Holger Bommer zu verdanken, der Gringo Comics seit vielen Jahren führt. Mit Entscheidungen wie dieser zeigt er, dass ungewöhnliche, eigenständige Comictitel auf dem deutschen Markt unbedingt ihren Platz haben, wenn man ihnen den nötigen verlegerischen Rückhalt gibt.
Am Ende bleibt der Eindruck eines (Kinder?-)Comics, das Lust auf mehr macht und das originäre Fantasy respektiert, ohne sich von ihr einengen zu lassen. Eine unbedingte Leseempfehlung.
(c)opyright der Abbildungen, mit freundlicher Genehmigung: Gringo Comics, Marco Finkenstein 2026
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