Comic Radio Show

The Complete Gert & Grendil

Interviews / Fantasy
geschrieben von Maqz am 02.07.2026, 20:00 Uhr

Feine Fantasy final fertig!

Gert & Grendil [1] Da haben wir uns jetzt seit über 15 Jahren nicht gesprochen und ich hab mit Freude (also eher zufällig) gesehen, dass deine Serie „Gert & Grendil“ als Komplettserie GEDRUCKT (hier [2]) bei dir direkt mit Signatur zu haben ist. Zeit also für ein neues Interview. Anfrage ging raus und Du hattest großzügigerweise sofort zugesagt. Hier also die brandneuen Interview-Fragen:

Comic Radio Show: Als erstes interessiert mich, was nun das Besondere an Deinem gedruckten Comic ist? Was macht G&G im Grunde Deines Herzens aus? (Moment mal, hab ich das nicht vor 15 Jahren auch schon zuerst gefragt?) Also gut dann also: Wie ist das Wetter bei dir?

Mario Bühling: Ja, lang ist es her. Viel hat sich verändert. Wir haben Automobile, dieses Internet, in einem fernen Wunderland hat man wiederholt eine Orange zum Präsident gemacht und Menschen gehen mit dem Versprechen von Reisen ins Weltall an die Börse. Verrückte Zeiten. Ich hab jetzt das alte Interview nicht noch einmal gelesen, aber ich bin sicher auch vieles was darin steht, ist heute schon ein alter Hut.

Ach, sorry. Das Wetter:
Nun. Es sind aktuell schwitzige 34°C, hier in unserer Wohnung. Vor dem Fenster hat es jetzt 38 Grad. Manche würden sagen: Wetter ist gut.

Ich persönlich bin da nicht so sicher.

Zu Deiner Einleitung oben. Ja, man kann ENDLICH die Komplettausgabe von Gert & Grendil als gedrucktes Buch bekommen. Und ja, auch als signierte Ausgabe direkt von mir, aber natürlich auch über den Verlag (Schwarzer Turm) oder über den Buchhandel.

Genauere Details dazu gibt‘s hier [3]

Gert & Grendil


CRS: Was wäre denn der Grund die 28€ für die Druckversion nicht zu Sparen und einfach die kostenlose Digitalversion (hier [4]) zu meiden?



Mario Bühling: Da kommen ein paar Gründe zusammen:

1. Die Version auf der Webseite ist noch nicht vollständig online. Im Moment ist die Webseite ein bisschen das Stiefkind meiner Projekte und ich update sie unregelmäßig. In Zeiten von KI kostet es mich immer mehr Überwindung Dinge einfach so ins Internet zu stellen. Von Skizzen oder Fun-Projekten auf Social Media vielleicht mal abgesehen. Und ich hinterfrage das Konzept Webcomic ein bisschen unter diesen Gesichtspunkten.
Sehr wahrscheinlich, dass der Rest der Story in absehbarer Zeit, Stück für Stück, noch auf KFGS erscheint, aber aktuell haben andere Dinge Priorität.


2. Einen gedruckten Comic (am Stück) auf der Couch zu lesen ist einfach eine andere Erfahrung als Woche für Woche eine Seite auf einem Bildschirm anzuschauen. Und die gedruckte Fassung der einzelnen Comics ist nicht immer identisch mit der Online-Version.


3. Der Start der Serie (Gert & Grendil) ist ja jetzt auch schon mehr als 17 Jahre her. Und als ich den dritten Band – das Ende der Reihe – letztes Jahr fertig hatte, habe ich einfach gemerkt, dass ganz besonders der Anfang nicht mehr so recht zum Rest der Geschichte (oder mir) passen wollte. Optisch und inhaltlich. Also hab ich mir die Zeit genommen und habe den ersten Band noch mal komplett neu gezeichnet und inhaltlich ein bisschen angepasst. Habe aber versucht, dem Original so treu wie möglich zu bleiben. Und diese rund 30 Seiten sind nirgendwo (und kommen vorläufig auch nirgendwo). Das macht also bei 170 Seiten schon mehr als 100 Seiten, die so gedruckt noch nicht erschienen sind.


4. Du könntest auch einfach einen Indie-Comicmacher und seine Arbeit unterstützen wollen? Ich verdiene ja anteilig am Verkauf der Comics (und, auch wenn der Preis etwas anderes vermuten lässt, bei Weitem nicht so viel, wie man vielleicht denken mag.)

Daher auch das Angebot mit den signierten Exemplaren, da ist die Marge für mich schlussendlich am Besten. Und ich freu mich, wenn Leute direkt bei mir bestellen. Fühlt sich halt persönlicher an. Schön einfach.

Gert & Grendil

CRS: Jetzt haben wir uns nicht nur die letzten anderthalb Jahrzehnte verpasst, sondern auch auf dem diesjährigen 22. Comicsalon in Erlangen. Wie war's so für dich (ich mein den Salon, nicht dass wir uns verpasst haben)?



Mario Bühling: Es gibt (hoffentlich) immer ein nächstes Mal.

Wir fahren ja schon seit weit über 10 Jahren regelmäßig zum Comic-Salon. Und der CSE ist auch der einzige Termin, der immer fest in meinem Kalender eingeplant ist.

Manchmal sind die Begleitumstände der Veranstaltung vielleicht etwas schwierig, aber ich habe es nie bereut.

Wie jede Messe ist auch der Salon anstrengend. Aber diesmal war‘s wirklich toll für mich. Das Wetter war top! Die Besucher:innen waren alle sehr nett. Ich konnte mit vielen Leuten auch mal ein paar private Worte wechseln, die ich lange nicht (oder nur auf dem Salon) gesehen habe. Ich hatte ENDLICH einen neuen Comic am Start und das ganze Team rund um den Schwarzen Turm (bei deren Stand ich dieses Jahr zu Gast war) war eine pure Freude.

Also: Ausgezeichnet war‘s für mich!


CRS: Nun ist ja Gert & Grendil ursprünglich eine Online-Fantasy-Serie die mit drei Bilder-Gags pro Folge gestartet ist. (Hmmm klingt auch wie eine Fragen vom letzten Interview) Und da ich deine Druck-Version (noch) nicht kenne würde mich interessieren, ob die Druckversion diesbezüglich genauso aufgebaut ist (Eine Seite = ein Drei-Bilder-Gags) oder hast Du die Gesamtausgabe gegebenenfalls um montiert? Hast ja schließlich auch Zwei-Bilder-Gags in einigen Folgen, bzw. One-Pager.


Mario Bühling: Wie oben schon beschrieben: Gert & Grendil hat sich viel entwickelt über die Jahre. Vom Strip, der auf den (manchmal ziemlich schlechten) Gag geschrieben ist, zu einer fortlaufenden Geschichte, die jetzt nach Jahren endlich zu Ende erzählt ist.

Ich hab schon vor Jahren angefangen, eher in Seiten (oder Doppelseiten) und Szenen zu denken und zu arbeiten. Und längst nicht mehr nur 3 Panel weit zu denken.

Das ist ja auch der Grund, warum ich die ersten 30 Seiten, wo der Kontrast einfach noch am deutlichsten ist, nachträglich auch nochmal neu gemacht und inhaltlich sanft angepasst habe. Ich hätte wahrscheinlich auch noch mehr (aus dem 2. Band) anpassen können, aber so kann ich drauf gucken und sagen: „Fertig!“ ohne mich über den 3-Panel Cringe der ersten Folgen zu ärgern.

Gert & Grendil


CRS: Nun hatte ich dich vor 15 Jahren danach gefragt, was Du denn mit der Serie KFGS so anfangen möchtest. Im Shop zeigt sich, dass Du auch hier die Stories vor Jahren als gedruckte Version raus gebracht hast. Und auch einige andere Geschichten neben G&G (also auch The Order of Things). Kann man also sagen, dass dein Plan zur Übernahme der Weltherr... ääh, des deutschen Comicmarktes aufgegangen ist?



Mario Bühling: Hui, falls das vor 15 Jahren mein (vermessener) Plan, oder zumindest die naive, ernsthafte Antwort auf ein Frage gewesen ist, kann ich Dir hier nach weit über 15 Jahren in der Szene, folgende Erkenntnis mitteilen:

Mit Deutschen Indie-Comics und wenn Leute sich die Frage stellen warum sie einem Künstler ein Heft abkaufen sollten, obwohl sie ja die Dinge auch kostenlos im Netz bekommen, ist für keinen Comicschaffenden die Weltherrschaft, geschweige denn die Mietzahlungen, in greifbarer Nähe.

Zum Glück gibt es sie aber, die Menschen die Comics und die Szene lieben und mich und viele andere Comicmacher:innen schätzen und unterstützen.

Auch ein Grund, immer wieder auf ein Festival wie Erlangen zu fahren. Das lässt einen weiter daran glauben, dass nicht alles schlecht ist in der Szene.

Gert & Grendil

CRS: Wie wird es bei Dir weitergehen in Zeiten von KI (hashtag „Human Made“)? Hast Du Gert & Grendil etwa schon neu aufgelegt ((c) by Claude) gesehen?


Mario Bühling: Generative KI ist für Kreative verständlicherweise ein Reizthema und viele Menschen, mit denen ich in diesem Bereich zu tun habe, kriegen schier Schnappatmung, wenn das Thema auch nur aufkommt. Viele kluge Menschen haben klar ihre Meinung zu KI (oder gegen) gesagt. Ebenso viele aber auch zum Klimawandel. But here we are.


Ich will das hier nicht breittreten, weil es mich wütend macht. Und ich mich bei Themen, die mich aufregen, eher versuche zurück zu halten. Auch weil sie mir nicht gut tun.
Hier aber mein „Elevator-Pitch“ zum Thema, wenn Leute mich darauf ansprechen:


Unabhängig davon, dass mir als altem SciFi-Nerd die Technik (insbesondere bei Texten) Worte wie „Wow!“ oder „Das ist ja verrückt das sowas geht!“ entlockt hat, finde ich, generative KI hat im Bereich von Kunst und Kreativität nichts verloren.


Generative KI ist, meiner bescheidenen Meinung nach, eine unausgereifte, gefährliche, unverstandene und unkontrollierte Technologie, die es so niemals in den Massenmarkt hätte schaffen dürfen.

Aber eine Gruppe macht- und geldhungriger Menschen hat es im vollen Wissen trotz ethische oder moralische Bedenken und (nicht nur) Grauzonen der Legalität und auf den Schultern von unzähligen Kreativen, mit (nicht vorhandenen) Unsummen in einen Markt gepresst, der, geifernd nach dem „next big thing“ alles getan hat, um es (gewollt oder nicht, aber auf jeden Fall ungefragt) jedem als Notwendigkeit zu verkaufen. Um eine Abhängigkeit von etwas zu schaffen, dass wir weder verstehen noch (zu 99,9%) brauchen.

Es wird unser Leben „mittelmäßiger“, gleichförmiger und ärmer machen und uns noch mehr in die Abhängigkeit einiger, weniger, jetzt schon überreicher Tech-Firmen zwingen.


Mir fallen noch reichlich Argumente ein, warum ich generative KI (in vielen Bereichen) für keine gute Idee halte. Aber vielleicht besser, wenn wir beide hier aus dem Aufzug wieder aussteigen.


Um Deine Frage abschließend zu beantworten: Ich habe (aktuell) vor, weiter Comics zu machen. OHNE den Einsatz von KI.


CRS: Ok, jetzt kommt doch noch die Frage (nee nicht nach dem KFGS-Titel) Wie kannst Du in der heutigen Zeit mit deinen Serien überleben? Dank Patreon? Dank KWIMBI? Dank KO-fi? Dank Brot-Job? Dank Riesen-Erbschaft? Oder warnst Du schon seit Jahren alle angehenden Comic-Creatoren doch ihr Geld lieber als Fliesenleger zu verdienen?

Katzenfuttergeleespritzer

Mario Bühling: Kurz: Kann ich nicht.

Ich bringe alle paar Jahre einen neuen Comic heraus. Man kann sich kaum vorstellen, wie viele Exemplare man davon verkaufen muss, damit sich allein die Produktion davon, nicht in erster Linie schon als großes Verlustgeschäft für mich (und den Verlag) herausstellt.
Tatsächlich kommt das Geld, welches ich zum Überleben habe, aus verschiedenen Töpfen. Comics sind (leider) nur ein kleiner Teil davon. Ich mache ja auch Illustrationen für verschiedenste Auftraggeber (Firmen, Verlage, Einzelpersonen) und habe einen Teilzeitjob in einem Animationsstudio (auch wenn ich da leider mehr Zahlen, statt Bilder schiebe). Patreon und KoFi, sind eine große Hilfe, aber für sich allein auch nur Tropfen auf den heißen Stein.
Wie eben schon beschrieben: Von Comics allein leben die wenigsten von uns. Und wenn man in diese Szene kommt für große Anerkennung oder großes Geld. Sorry, die paar erfolgreichen Glanzlichter der Szene überstrahlen den riesigen „Eisberg“ aus Comicmacherleichen, die unter der Wasseroberfläche längst absaufen. Vom Comic allein lebt da fast keiner.

Wer sich da Ruhm und Reichtum erhofft, sollte es dann vielleicht doch direkt als Content-Creator bei YouTube oder Twitch versuchen.

Ironie beiseite. Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen werden sich sicher in einem gewissen Maße auszahlen. Aber die kreative Arbeit besteht im Alltag eben nicht nur aus dem Erstellen von bunten Bildern. Sondern im Gegenteil, aus einer Menge Dingen, die mit Kreativität nichts zu tun haben.

Vielleicht doch besser Fliesenleger. Aber ich bin sicher, die haben ihre eigenen Probleme.


CRS: Um von den düsteren Aussichten wieder weg zu kommen (Du bist gut genug!“ [5]) erzähl doch von einem deiner nächsten Projekte (oder alternativ von "Die Abenteuer von Prinz Fallafell" ???)

Mario Bühling

Mario Bühling: Na gut. Der aktuelle Plan sieht folgendermaßen aus:

The Order of Things (die andere Comicserie neben Gert & Grendil) verdient ja auch noch ein – zumindest für mich – zufriedenstellendes Ende.

Aber auch hier hat sich, bei näherer Betrachtung, die gleiche Frage gestellt: Will ich die alten Seiten so lassen oder nutze ich die Chance, das ganze Projekt einmal aufzufrischen?

Also wird es von Order of Things voraussichtlich einen überarbeiteten Komplettband geben. Der die bisherige Story enthält, dann aber gebündelt und etwas modernisiert in einem Buch zu Ende bringt.

Das erfordert aber auch, dass ich noch mal an das Skript ran gehe und ist insgesamt ein großes, aufwändiges Ding, dass mich viel Arbeit kosten wird.

Also hab ich beschlossen, bevor ich damit durchstarte, mache ich noch was kleines.

Und das ist „Die Abenteuer von Prinz Fallafell“ – quasi ein Spin-Off mit nur ein paar Seiten (als Heft mit abgeschlossener Handlung). Das fühlt sich gerade nach etwas an, was ich überschauen und handhaben kann.

Prinz Fallafell Erster Auftritt Prinz Fallafell

Und parallel geht‘s schon mal ein bisschen ins Script von Order of Things.


Ein paar andere Dinge, an denen ich arbeiten möchte, hab ich auch noch in der Hinterhand.


Updates auch dazu sicher auf Social-Media. [6]


So. More to come! Yay!



CRS: Und wo könnte ich dich in der nächsten Zeit wieder persönlich verpassen?



Mario Bühling: Ich bin in zwei Jahren wieder in Erlangen. Das ist ziemlich sicher. Das steht so in meinem Kalender. Dazwischen hab ich aktuell noch keine Cons geplant. Hätte aber tatsächlich Lust auf ein paar zu fahren, wenn es die Zeit erlaubt und der logistische Aufwand für mich nicht zu hoch ist. Also schwer zu sagen. Also wenn Du sicher gehen willst mich zu verpassen, am Besten nirgendwo hin gehen. :D


CRS: Lieber Mario, vielen Dank für die Antworten und viel Erfolg für deine Comics und bis zum nächsten Interview 2041! ;-)



Mario Bühling: Ich bin gespannt. Wahrscheinlich sprechen da dann unsere persönlichen KI-Chatbots mit einander und machen was aus.

Katzenfuttergeleespritzer


Viele Grüße

Mario


(c)opyright der Abbildungen, mit freundlicher Genehmigung, Mario Bühling.

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