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Heureka

Rezensionen / Politik & Geschichte
geschrieben von Maqz am 16.05.2026, 00:00 Uhr

Zwischen Genieblitz und Klugscheißerei– Eine (Comic-)Geschichte der Naturwissenschaften


Heureka [1] Manchmal landen diese besondere Art von Comics auf dem Redaktionstisch und schon nach den ersten Seiten weiß man: Das hier ist kein einfacher Stoff. Das hier ist Dynamit für die Synapsen. „Heureka“ (aus dem Knesebeck Verlag) gehört genau in diese Kategorie "Kopfsprengung".
Ein Kreativ- und Wissenschaftsteam um Didier Convard, Pierre Boisserie, Philippe Bercovici, Cédric Villani uva. serviert keinen harmlosen Historiencomic, sondern ein mitreißendes Feuerwerk aus Wissenschaft, Wahnsinn und Visionen.
Und ja: Der Titel ist Programm.
„Heureka!“ – der berühmte Ausruf des Archimedes – wird hier zum Soundtrack eines Comics, der förmlich vor Ideen überkocht. Zwischen antiken Geistesblitzen, philosophischen Abgründen und menschlicher Hybris entfaltet sich ein Abenteuer, das gleichzeitig Bildungsreise, Mysterytrip und Sci-Fi-Fiebertraum ist, dabei bleibt das Erzähl-Tempo aber erfreulich unaufgeregt.

Visuell kracht das Ding gewaltig. Die Zeichnungen sind opulent, detailverliebt und atmosphärisch dicht wie ein Gewitter über Alexandria (Ja die waren legendär!). Jede Seite wirkt wie ein verlorenes Fresko aus einer alternativen Zeit-Linie. Mal monumental, mal intim, dann wieder vollkommen irre (aber nie so ganz abgedreht irre!). Genau diese (charmat/wissenschaftliche) Mischung macht „Heureka“ so unwiderstehlich.

Heureka

Besonders stark: Der Comic traut seiner Leserschaft echt etwas zu. Keine weichgespülte Fast-Food-Lektüre, sondern Stoff mit Gravitation. Wissenschaft wird hier (eben nicht) trocken erklärt, sondern wie Magie inszeniert. Erkenntnis wird zum Abenteuer. Und plötzlich sitzt man da und denkt: Warum können Schulbücher nicht SO sein?

Doch „Heureka“ funktioniert nicht nur über seine klugen Ideen. Der Band besitzt sein eigenes (erlebenswertes) Tempo, Spannung und diesen herrlichen europäischen Comic-Größenwahn, den man heute viel zu selten erlebt. Man spürt auf jeder Seite die Lust am Erzählen – groß, wild, überbordend. Einfach mal die Wissenschaftsgeschichte der Mathematik, Physik, Chemie und Astronomie auf 242 Seiten (plus vier Seiten Anmerkungen).


Heureka

Für Fans von intelligenten (Abenteuer-)comics, historischen Rätseln und cineastischer Zeichenkunst ist dieser Band kein absoluter Pflichtkauf, aber man ist hier nah dran. Wer Comics liebt, die Kopfkino UND Hirnrasen erzeugen, sollte zugreifen.

Kurz gesagt:
Dieser Band ruft nicht „Heureka!“ er donnert es durchs Universum.


Heureka

PS: Ich selber musste diesen Comic immer wieder weg legen und meiner Informationsaufnahme eine Pause gönnen; letztendlich auch, um mal was nachschlagen zu können. Für die gefragten 35€ pro Band hat man also viel Zeit, die man mit dem Thema lange und gerne verbringt!

Heureka [2]

(c)opyrighjt der Abbildungen, mit freundlicher Genehmigung: Knesebeck-Verlag 2026

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