Seniorenprogramm? Denkste.
[1] Manchmal reicht ein Blick aufs Cover, und man weiß: Das wird Arbeit.
„Jack London Die Comicadaptionen“ steht da in großen Lettern. Der erste Reflex: innerliches Wegnicken. Das klingt weniger nach Lesespaß als nach Archivstaub und Pfefferminztee.
Doch dann passiert das, womit man nicht unbedingt rechnet: Die Sprechblase 252 weigert sich hartnäckig, langweilig zu sein.
Schon seit der Umstellung ab Ausgabe 251 (ja, die ohne Gerhard Förster) hat das Heft sichtbar an Frische gewonnen. Das neue Layout ist kein radikaler Bruch, aber genau die richtige Modernisierung, um das Ganze lesbarer und zugänglicher zu machen. Und plötzlich funktionieren auch solche Details wie die „Markt-Monitor“-Kästen erstaunlich gut, kleine Appetithappen für zwischendurch, die einen im Heft halten.
Inhaltlich bleibt sich das Magazin treu: tief drin im Nerd-Terrain, teilweise so speziell, dass man kurz prüft, ob man das wirklich noch als Hobby oder schon als Fachgebiet betreibt. Der Auftakt mit Christian Blees’ Ausflug in die Welt von Bonny (Ronny / Super Ronny) ist genau so ein Fall, nichts für Einsteiger, aber für Eingeweihte durchaus reizvoll.
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Zum Glück bleibt es nicht dabei. Danach zieht das Tempo an: Batman, Digedags, obskure Fundstücke wie „Spider-Man im japanischen Playboy“ – das Heft schaltet spürbar einen Gang hoch. Dazu Sammlerporträts, Phantom-Dauerbrenner inklusive XXL-Index und genug Material, um die ersten 36 Seiten wie im Flug vorbeiziehen zu lassen.
Der Mittelteil liefert solide Kost: HARRY, Lehning/Zack/Helden/Disney-Nostalgie, Pichelsteiner-Interview, ein bisschen PERRY – alles erwartbar, aber gut gemacht. Und dann kommt sie, die große Titelstory. Ausgerechnet. Jack London. Und tatsächlich: gar nicht so trocken, wie befürchtet. Keine Offenbarung, aber deutlich besser als der Wolfsruf in der weissen Wildnis ;-).
Richtig stark wird’s wieder bei den flankierenden Beiträgen: eine gelungene Hommage an Gil Kane, ein gewohnt kenntnisreicher Text von Andreas C. Knigge über Hansrudi Wäscher und dazu noch Ben Hur in Comicform – irgendwo zwischen Pflichtprogramm und charmantem Retro-Ausflug. Selbst die Leserbriefe trauen sich, nicht nur Beifall zu klatschen.
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Unterm Strich macht Die Sprechblase 252 genau das, was sie am besten kann: Sie bedient ihr Stammpublikum mit reichlich Nostalgie, wirkt dabei aber längst nicht mehr so angestaubt wie Ausgabe 250. Das ist kein Heft für nebenbei, aber eines, das sich überraschend lebendig liest, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat.
Und ja: Ganz am Ende wartet sie dann doch noch, die unvermeidliche „Illustrierte Klassiker“-Werbung mit Rommel, dem Wüstenfuchs.
Man kann eben nicht alles haben.
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