Comic Radio Show

Pippin der Nichtsnutz

Rezensionen / Fantasy
geschrieben von M.Behringer am 08.01.2023, 11:11 Uhr

Fantasy im Gewand klassischer Märchen


Pippin der Nichtsnutz [1] Allein die Aufmachung ist schon ein Hingucker: bordeauxroter Leinenband mit edler Goldprägung. Da hat sich die Edition Moderne definitiv nicht lumpen lassen. Und da „Pippin der Nichtsnutz“ von Chrigel Farner und Tim Krohn auch inhaltlich wie ein klassisches Märchen daherkommt, passen Form und Inhalt perfekt zusammen. Oder?

Sursilvanien: Pippin ist der jüngste von drei Söhnen des fürstlichen Gärtners. Der ältere Bruder ist ein begnadeter Jäger und der zweite Sohn ist ein kräftiger Baumfäller – beide erfüllen den Vater mit Stolz. Pippin liegt dagegen nur herum. Nachdem er schon bei den unterschiedlichsten Arbeiten versagt hat, versteht er sich als Spatzenflüsterer. Die Vögel umringen ihn und er lässt sie zum Verdruss des Fürsten sogar die Früchte der Obstbäume essen. Dann züchtet Pippins Vater einen Baum mit goldenen Äpfeln, aber ein unbekannter Dieb stiehlt die Früchte. Der Herzog tobt und schickt zunächst den Jäger los, um den Dieb zu fassen. Der kinderlose Fürst verspricht, dass er bei Erfolg sein Nachfolger wird.

Pippin

Die Story beginnt zunächst als bodenständiges Märchen und wird dann zunehmend fantastischer. Der Baum ist der Startpunkt, danach erscheinen auch übergroße Vögel und goldene Wesen. Wie im klassischen Märchen wirken die Figuren dabei archetypisch und schablonenhaft. Der Comic ist allerdings nichts für kleine Kinder. Märchen werden ohnehin zu Unrecht als Kinderliteratur betrachtet. Dafür ist es zu verstörend, karikierend und ambivalent.

Pippin

Die Geschichte ist spannend aufgebaut, da der ambitionslose Antiheld Pippin widerwillig in ein Abenteuer loszieht und mit schwer lösbaren Herausforderungen konfrontiert wird. Er will sie aber eigentlich auch gar nicht lösen, sondern weiterhin nur mit seinen Spatzen spielen. So taumelt und stolpert er von einem Abenteuer ins nächste und bekommt dabei etwas Schützenhilfe.

Das Artwork wirkt aufgrund der Strichführung etwas grob. Die Gesichtsausdrücke sind oft extrem (frustriert oder glücklich) und ein wenig hölzern, aber das passt sehr gut zum Märchenflair. Hervorzuheben sind die phantastischen Wesen und Elemente, aber auch die Naturlandschaften, die sehr urgewaltig wirken. Die Farben decken die ganze Palette ab und reichen von nüchtern-naturalistisch bis grell-intensiv.

Pippin

„Pippin der Nichtsnutz“ erschafft eine ganz eigene erstaunliche Fantasy-Welt, die eindeutig eine Hommage an die klassischen Märchen darstellt und doch nichts einfach nur kopiert, sondern völlig einmalig kreiert. Das Artwork passt perfekt zur Story und erschafft eine ganz eigene Stimmung.

Pippin [2]

(c)opyright der Abbildungen: Edition Moderne 2022

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