Comic Radio Show

Bunte Dimensionen – Interview, Gewinnspiel & Rezensionen

Interviews / Franko/belgisch
geschrieben von StefanS am 06.02.2017, 00:00 Uhr

Francobelgische Augsburger


Thierry Zeller Bunte Dimensionen ist „ein (noch) kleiner Verlag aus Augsburg, der sich auf frankobelgische Comics spezialisiert hat“, so beschreibt es die Homepage von BD. Damit wollte sich ComicRadioShow nicht begnügen und hat bei Thierry Zeller (51) nachgefragt. Neben dem Interview gibt es noch Rezensionen zu „Die verlorene Armee“ und „Misty Mission“ sowie ein Gewinnspiel.

Von Stefan Svik

--> Direkt zur Rezi "Die verlorene Armee 1: Der russische Winter" [1]
--> Direkt zur Rezi "Misty Mission 1: Wie im Himmel so auf Erden" [2]
--> Direkt zum GEWINNSPIEL [3]


Bunte DimensionenInterview mit Thierry Zeller

„Der zweite Weltkrieg ist eines der wenigen Genres, das auch Nicht-Comic-Leser wahrnehmen“



Um sich mit beruflich mit Comics zu beschäftigen braucht man nicht zwangsläufig Zeichner oder Autor zu sein, Thierry Zeller ist gelernter Chemiker, nennt „Valerian“ als seinen Lieblingscomic, betreibt einen Comicshop und hat es sich mit den insgesamt neun Mitarbeitern von Bunte Dimensionen zur Aufgabe gemacht, frankobelgische Comics nach Deutschland zu bringen. Seit 2005 gibt es den Verlag.

ComicRadioShow: Die erste Rezension auf ComicRadioShow die ich von einem Comic von Bunte Dimensionen geschrienen habe war der Fliegercomic „Lady Spitfire“. Dieses Mal habe ich „Die verlorene Armee“ und „Misty Mission“ ausgewählt. Deine Antwort lautete: „Alle wollen sie unsere Kriegscomics ;) Wir haben so tolle SF-Geschichten wie Carmen oder Travis“. Für was steht Bunte Dimensionen für die Leser und für den Verlag selbst bisher?

Thierry Zeller: Bunte Dimensionen steht zunächst für Comics aus dem frankobelgischen Raum, da sich unser Kürzel BD aus dem franz. bande dessinée abgeleitet hat. Ansonsten was uns gemeinsam gefällt, was nicht immer einfach ist, da wir vier Entscheider teilweise sehr unterschiedliche Geschmacksrichtungen haben. Aber bei der Fülle frankobelgischen Materials konnten wir uns immer auf einen Titel einigen :). Seit unserer Reihe "Das große Spiel" konnten wir feststellen, dass das WW II - Thema eins der wenigen Genre ist welches über den herkömmlichen Lesermarkt wahrgenommen wird.

Thierry Zeller

Nach einer Vielzahl von Superheldencomics wird 2017 mit „Ghost in the shell“ ein Manga und mit „Valerian & Veronique“ eine frankobelgische Albenserie als Kinofilme umgesetzt. Meinst du, dass BD davon profitieren wird und ist das Programm für Alben eher ein älteres, gesetzeres als das für Mangas und Marvel-Hefte?

Ich stelle immer wieder fest, dass 95% der Kinobesucher die Filme nicht mit Comics in Verbindung bringen, selbst die Marvel oder die DC-Filme. Beim Valerian-Trailer ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass dort auf den Comic verwiesen wird. Leider findet hier überhaupt kein Cross-Selling steht. Für die Filmstudios ist der Comicmarkt völlig uninteressant. Ach, da fällt mir ein: Einer unserer Titel wurde tatsächlich verfilmt "Blei im Schädel" mit Sly Stallone.

Gibt es französische Titel, die du sehr magst, aber die in Deutschland nicht funktionieren würden?

Speziell, die sehr gut recherchierten, historischen Geschichten um die napoleonische Ära. Ein französisches Thema, vermutlich funktioniert die WW II Thematik deswegen in Deutschland so gut, weil es hier um deutsche Geschichte geht.

Würdest du auch Comics von deutschen oder anderen Zeichnern und Autoren ins Programm nehmen oder soll BD ein rein frankobelgischer Alben-Verlag bleiben?

Grundsätzlich sind wir da nicht festgelegt, wenn uns der Zeichenstil und die Geschichte anspricht.

Albensammler sind vermutlich besonders treue Käufer und interessierte Leser – sind die nicht enttäuscht, wenn „Die verlorene Armee“ und „Misty Mission“ ohne Bonusmaterial daherkommen?

Wir haben den zweiten Teil von "Die verlorene Armee" mit Bonusmaterial ausgestattet, Feedback war keins festzustellen, selbst als wir dies bei der 2. Auflage wegließen. Unsere laufende Serie "Die Erben des Teufels" ist z.B. in jedem Band mit Bonusmaterial ausgestattet. Wir wollen mit einer Umfrage feststellen was die Leute davon halten. Voraussetzung ist natürlich, dass beim Originalband welches vorhanden ist :)

Was sind eure Bestseller, welche Titel magst du selbst besonders gern?

Im Moment geht "Die verlorene Armee" durch die Decke, gefolgt von Titeln wie "Bomb Road" und unseren Longsellern "Gesang der Strygen", "Arctica" und "Das große Spiel".

Wie hat sich das Verlagsgeschäft bei BD in den letzten 10 Jahren
verändert?


Nun ja, wir haben einen sehr hungrigen Mitbewerber im Spiel, der auf Wachstum setzen muss und da kommt man sich bei Lizenzverhandlungen zwangsläufig immer öfters ins Gehege.

Habt Ihr für Eure (abgeschlossenen) Serien Gesamtausgaben geplant?

Wir sind alle Einzelalben-Freunde. Die Ausnahme bildete bisher "Carmen McCallum", das hatte den einfachen Grund, insbesondere die Fans anzusprechen, welche bereits, die ersten beiden Teile besaßen. Möglich wären die ersten neun Teile von "Golden City" in drei Integrales zu packen, weil hier Einzelalben wirklich keinen Sinn mehr machen. Aber das hängt einzig und allein vom Verkauf der neuen Teile ab.

Was denkst du über den aktuellen Boom der US-inspirierten Comic Cons im deutschsprachigen Raum?

Ist doch toll! Hauptsache das Thema Comic kommt in Deutschland endlich aus seiner Nische raus und bekommt die Aufmerksamkeit die dieses kurzweilige Unterhaltungsmedium verdient.

Ein Verlag wie BD hat sicher ein geringeres Werbebudget als Panini Comics oder Carlsen – wie erzeugt ihr Aufmerksamkeit, wie finden die Leser zu euch?

Wie, es gibt Albenfans die uns nicht kennen? :) Ansonsten durch unseren Quartalsflyer, Facebook und Newsletter (inklusive Gewinnspiel).

Wohin geht der Themen-Trend in 2017/2018?

Bunte gemischte Dimensionen

Vielen Dank für das Interview.



Rezension Die verlorene Armee 1: Der russische Winter

Den Blick auf den Militäralltag gerichtet
 Die verlorene Armee 1: Der russische Winter [4]Faszination Flugzeuge – das scheint eine der Gemeinsamkeiten von Zeichnern militärhistorischer Bildergeschichten zu sein. So auch im Autorencomic „Die verlorene Armee“ des Belgiers Olivier Speltens, der 1971 geboren wurde, also weit genug entfernt vom Zweiten Weltkrieg. Diese Distanz, die er im Comic zeigt, mag Anlass für Kritik sein, denn der Krieg an der Ostfront war bekanntermaßen vor allem ein politischer, weltanschaulicher, ein Vernichtungskrieg, um „Lebensraum“ fürs Deutsche Reich zu gewinnen. Dazu finden sich nur Andeutungen in den Dialogen der Soldaten. Statt Szenen mit Kriegsverbrechen zu zeigen, beschränkt sich der Comic auf Schlachtengemälde mit Panzern, Flugzeugen und Infanterie. Zur Abwechslung gibt es noch einen Bordellbesuch in Kiew mit einer geschäftstüchtigen Ukrainerin.

Äußerst erfreulich an diesem Werk ist, das im Gegensatz zu Kriegscomics wie „Lady Spitfire“ keine fragwürdigen Nebenhandlungen eingebaut wurden – hier verkleidet sich keine Frau als Pilot, um ihren Traum zu leben. Hier hat der Protagonist keine übersinnlichen Kräfte wie in „Der rote Baron“ und niemand hört seinen Hund sprechen („Himmel in Trümmern“). Allerdings hätte Speltens etwas weiter ausholen können, denn, ohne weitere Erklärung, findet sich der Leser direkt 1943 an der russischen Front wieder. Hauptfigur ist der 19-jährige Ernst Kessler, der als Teil der 332. Infanterie-Division an die Ostfront abkommandiert wird.

 Die verlorene Armee 1: Der russische Winter

Die ersten 48 Seiten dieser Geschichte reißen vieles an, was es zum Krieg im Osten zu sagen gibt: das anfänglich freundliche Willkommen der Wehrmacht durch die Ukrainer, weil dies von Teilen der Bevölkerung als Befreiung von den Russen begriffen wurde oder auch die Differenzierung zwischen fanatisch-brutaler und skrupelloser SS und politischen sowie unpolitischen Soldaten, die Hitler bereits als Verbrecher durchschaut hatten.

Die Geschichte rein aus der Perspektive der Landser zu erzählen wirkt vielleicht etwas konservativ und wenig originell. Es ist ein zu sauberer Krieg, der hier gezeigt wird. Ein blutender, aber ansonsten intakter Kopf eines russischen Soldaten ist das einzige Gräuel, das den Lesern zugemutet wird. Das ewige Beklagen vom gemeinsamen Feind aller Soldaten, nämlich dem russischen Winter, wirkt kriegsverharmlosend.

Die wahre Stärke des Comics sind die detaillierten Zeichnungen und das Erzeugen einer, von der zu schöngefärbten Gewalt abgesehen, realistischen Atmosphäre. Vom ersten Panel an fühlt man sich als Teil der Einheit und bekommt ein Gefühl für die Weite, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und Angst der Soldaten an der Ostfront. Wie hohl wirken da die Appelle für den „Endsieg“, wo doch die eigenen Gedanken vor allem um eine warme Mahlzeit kreisen und warme Kleidung schmerzlich vermisst wird. Apropos vermissen: leider gibt es keinerlei Bonusmaterial.

Der fehlende erhobene Zeigefinger tut dem Comic gut, etwas mehr als die üblichen Anekdoten hätte der Handlung dennoch geholfen, um sich über das Mittelmaß zu erheben.

Wertung: 72 %

Die verlorene Armee 1: Der russische Winter
Text & Zeichnungen: Olivier Speltens
Übersetzung aus dem Französischen: Helene Kubasky
48 Seiten, Hardcover, farbig
2012 Bunte Dimensionen, 14 Euro
ISBN 978-3-944446-17-2


Am Besten kauft man sich das Comic beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...Die verlorene Armee 1: Der russische Winter kann man auch hier kaufen [5]

 Die verlorene Armee 1: Der russische Winter

LESEPROBE Die verlorene Armee 1: Der russische Winter [6]



Rezension: Misty Mission 1: Wie im Himmel so auf Erden

Ehe-, Gefängnis- oder grüne Hölle?


 Misty Mission 1: Wie im Himmel so auf Erden [7] Der Straßburger Autor und Zeichner Michel Koeniguer widmet sich nach der abgeschlossenen, dreibändigen Kriegsfliegerstory „Bomb Road“ mit „Misty Mission“ erneut dem Vietnamkrieg. Seine Flugzeuge, Hubschrauber und alles andere sehen äußerst realistisch aus. Seine Bilder brauchen sich nicht hinter den Actionszenen aus Filmen wie „Rambo 2“, „Apocalypse now“ und „Platoon“ zu verstecken. Anders als diese verzichtet der Franzose auf historische und politische Betrachtungen und erzählt stattdessen eine Familiengeschichte, die in den Südstaaten der USA beginnt und in Vietnam eskaliert.

Der Comic beginnt 1967 und erzählt von den beiden Freunden Nicholas Beaulieu und Joshua Lacour aus Danville, Alabama. Nicholas stammt aus wohlhabendem Hause und verpflichtet sich direkt nach seiner Hochzeit für den Kriegsdienst in Südostasien. Joshua folgt ihm, wenn auch nicht aus freien Stücken. Um einer Gefängnisstrafe zu entkommen, geht er lieber ebenfalls zur US-Armee.

 Misty Mission 1: Wie im Himmel so auf Erden

Es gibt innovativere Comics über den Vietnamkrieg, wie etwa „Guerillas“, in dem Affen in den Krieg ziehen und deren Schicksal mehr aufwühlt als es der recht konservative erste Band von „Misty Mission“ schafft. Gar nicht dumm ist die Idee die Geschichte in der Heimat mit den Erlebnissen im Kampf gegen den Kommunismus in Fernost zu verknüpfen – denn wie der Krieg ausging ist hinlänglich bekannt, durch die Familiengeschichte wird aber eine Spannung aufgebaut, die Neugierde auf die Fortsetzung weckt, zumal es auch dabei offenbar um einen Kampf Arm gegen Reich geht. Die Figuren bleiben allerdings arg flach und die Story wirkt zu steril und platt, um wirklich fesseln zu können. Beeindruckend ist die Qualität der Kampfszenen, wobei gerade das reichlich zynisch ist, wenn darin doch das Abwerfen von Napalm thematisiert wird. Kritische gemeinte Dialoge wie „Bauer in Vietnam zu sein, das ist die Hölle“ wirken zu aufgesetzt, von der Beklemmung und der Hitze im Dschungel ist wenig spürbar in diesem Hollywood-Blockbuster-Kriegscomic. Für Freunde handwerklich hochwertig gezeichneten Kriegsgerätes aber sehr empfehlenswert.

Wertung: 70 %

Misty Mission 1: Wie im Himmel so auf Erden
Text & Zeichnungen: Michel Koeniguer
48 Seiten, Hardcover, farbig
Extras: 1 Seite Glossar
2016 Bunte Dimensionen, 14 Euro
ISBN 978-3-944446-43-1


Am Besten kauft man sich das Comic beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...Misty Mission 1: Wie im Himmel so auf Erden kann man auch hier kaufen [8]

 Misty Mission 1: Wie im Himmel so auf Erden

LESEPROBE Misty Mission 1: Wie im Himmel so auf Erden [9]



Gewinnspiel


Bunte Dimensionen

Mit freundlicher Unterstützung von Bunte Dimensionen bieten wir drei Lesern die Chance ihren Lieblingscomic aus dem Programm von BD zu gewinnen: [10]

Bitte schickt uns bis zum 28.2.2017 eine E-Mail mit dem Betreff „Gewinnspiel BD“, der Nennung des Comics von BD, den ihr gewinnen möchtet und Eurer Adresse an:

gewinnspiel[AT]comicradioshow[DOT]com

Viel Erfolg!

:-)




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