Comic Radio Show

Deadpool Pulp

Rezensionen / Superhelden
geschrieben von M.Behringer am 27.02.2012, 00:00 Uhr

Spionage-Thriller im Noir-Stil



Deadpool Pulp [1]Nicht nur dank Clint Eastwoods Biopic 'Edgar J.' stehen die Machenschaften des FBI wieder im Rampenlicht. Auch in 'Deadpool Pulp' dreht sich alles um den amerikanischen Geheimdienst. Deadpool wird generell als Anti-Held stilisiert. Adam Glass, Mike Benson und Laurence Campbell versetzen nun diesen Charakter in ein Pulp-Setting. Ähnliches wurde von Marvel ja bereits mit den Erfolgscharakteren wie Spider-Man und X-Men gemacht, als diese zu Protagonisten typischer Noir-Szenarien wurden. Dabei stellte sich heraus, dass sich Charaktere wie Wolverine besser als Spider-Man eigneten. Im Fall von Daredevil war die Übertragung gar unnötig, gab es kaum einen Unterschied zur normalen Serie.

Wade Wilson alias Deadpool hört nicht nur Stimmen, sondern ist außerdem ein skrupelloser und kaltblütiger Auftragskiller im Dienste der USA. Die verschiedenen Persönlichkeiten werden durch verschieden kolorierte Erzählkästen erkenntlich, wodurch der Leser den Überblick behält. In Rückblenden erfährt der Leser außerdem, dass Wilson in Kriegsgefangenschaft in Singapur ein Jahr lang gefoltert wurde, wodurch er zu dem Menschen wurde, der er nun ist.

All dies wird durch geschickte Ortswechsel und eine komplexe Erzählstruktur geschildert. Oft werden Voice Over-Passagen über die Bilder gelegt, was ganz dem Noir-Genre verpflichtet ist. Die Illustrationen von Campbell tauchen die Geheimagenten-Kalter-Krieg-Story in einen düsteren Noir-Stil, der sich vor allem durch Schatteneffekte und ein Verwenden des Gittermotivs auszeichnet. Der zeichner gelingt es, Genre-Meister Michael Lark fast perfekt zu imitieren. Deadpool bekommt es in seinem neuen Auftrag dann auch noch mit einer Femme Fatale zu tun.

Deadpool Pulp

Abgesehen von der gelungenen filmischen Erzählweise und den stilistisch wie technisch brillanten Illustrationen bietet 'Deadpool Pulp' inhaltlich allerdings nur wenig Erfrischendes. Ein nuklearer Aktenkoffer ist nur die Spitze der abgedroschenen und hinlänglich bekannten Klischees der Spionage-Thriller während des beziehungsweise über den Kalten Krieg(es). So verheißt 'Deadpool Pulp' zwar eine weit überdurchschnittliche visuelle Darstellungsweise, aber im Gegensatz einen inhaltichen Tieflug.

Deadpool Pulp

Die tragische Liebesbeziehung und die Stilisierung des Charakters als Antihelden, der zuweilen als Marionette dargestellt wird, die lernt ihre Fäden abzutrennen, zählen zudem zum Standard eines Noir-Thrillers – also auch nichts Neues. Ansonsten war der Lektor dreimal etwas unachtsam und auch der Übersetzer hat zweimal nicht glücklich gearbeitet. Dafür ist das Lettering sehr gefällig. Nur wer kurzweilige Agenten-Spionage-Thriller und den Noir-Stil mag, sollte dennoch einen Blick in 'Deadpool Pulp' werfen.


Deadpool Pulp
Von Adam Glass, Mike Benson und Laurence Campbell
Softcover, 100 Seiten
Panini Comics 2011


Am Besten kauft man sich das Band beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...
Deadpool Pulp kann man auch gerne hier kaufen. [2]


LESEPROBE zu Deadpool Pulp [3]


(c) der Abb.: Panini Verlag und Autoren

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