Kriegerland
[1] Wer auf Grund des Titelbildes und dem Klappentext, der viel von indianischen Legenden redet und Indianerstämme wie Huronen, Mohawk oder Shawnee erwähnt, einen Comic erwartet der sich stärker mit Indianern beschäftigt wird etwas enttäuscht sein. Am Ende ist 'Bravesland' des Autorenduos Fabrice David und Gregory Lassablière und des Zeichners Federico Carlo Ferniani ein französisch geprägter Historiencomic vor etwas anderer Kulisse. Graphisch sehr ansprechend gemacht, die Geschichte hinterlässt in diesem ersten Band aber einen etwas zwiespältigen Eindruck.
Der Informationstext auf der Webseite beziehungsweise im Katalog von Splitter beschreibt den Inhalt des Comics dann aber schon deutlich besser. Da heißt es unter anderem 1756 – Amerika zur Zeit des Franzosen- und Indianerkriegs. Auf der Flucht vor den englischen Rotröcken sucht der Arkadier Constant gemeinsam mit dem Huronen Otiron’Tara Unterschlupf in den Reihen der französischen Armee. Die wichtigste Bastion der Franzosen ist Fort Niagara, eine Palisadenfestung, die mit Zustimmung der Irokesen errichtet wurde. Doch das Fort ist den Briten ein Dorn im Auge. Und nicht nur denen...
Der Comics fängt allerdings an mit Indianern und ihren Mythen. Nur das hier die meisten Indianer den Anfang nicht überleben, aber dafür wird eine Prophezeiung in die Welt gesetzt: "Dieses Land wird auf immer jenen gehören, die bereit sind, ihm das Blut von ihrem Blut zu opfern." Was immer das heißen mag. Nach diesen leicht horror-behafteten Einstiegsseiten fängt dann ein relativ durchschnittlicher Abenteuercomic vor historischer Kulisse an. Ein wenig sehr nach Schema erzählt, die beiden Hauptcharaktere Constant und Otiron’Tara lernen sich kennen, nicht ganz freiwillig, aber dann auch nicht widerwillig, und erleben zusammen ein Abenteuer als Teil der französischen Armee in Nordamerika.
Es geht dann um den Krieg zwischen Franzosen und Briten in Nordamerika, hier wirkt sich der siebenjährige Krieg in Europa aus. So ergibt sich ein recht normaler Historiencomic, wer solche Stoffe mag wird hier durchaus zufrieden sein, aber die Autoren hätten sich ruhig etwas mehr an dem historischen Hintergrund bedienen können. Kriege zwischen Franzosen und Engländer gab es genügend, aber im Zusammenspiel mit der Urbevölkerung hätte man da mehr draus machen können um aus der Menge an Comics herauszuragen. Das passiert gegen Ende, als die Geschehnisse wieder auf die Eingangssequenz zurückkommen und die düsteren, blutigen, horrorhaften Legenden wieder eine wesentliche Rolle spielen. Das Gesamtbild der Geschichte am Ende des ersten Bandes bleibt aber trotzdem durchwachsen.
Die realistischen Zeichnungen des italienischen Zeichners Ferniani machen da im Vergleich zur Geschichte einen deutlich solideren Eindruck. Detailreich, leicht wieder erkennbare Charaktere, die auch mehr als einen Gesichtsausdruck beherrschen, das ist sehr gutes Handwerkszeug. Die blutigen und mysteriösen Geschehnisse um Anfang und Ende des Comics profitieren vielleicht nicht ganz so von seinem realistischen Zeichenstil, die fehlt es etwas mysteriöser Atmosphäre.
Bravesland: Band 1 Constant
Autoren: Fabrice David und Gregory Lassablière
Zeichnung: Federico Carlo Ferniani
Hardcover; Albenformat; farbig
Splitter Verlag, 13,80 Euro
Bravesland: Band 1 Constant kann man gerne auch hier kaufen [2]
LESEPROBE zu Bravesland 1 [3]
(c) der Abb.: Splitter Verlag und Autoren
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