Comic Radio Show

Interview-Serie Comic-Verlage

Interviews / Kunst
geschrieben von M.Hüster am 07.04.2007, 15:04 Uhr

Heute: Comicwerk (Daniel Gramsch)


ComicwerkIn der Interview-Serie folgt heute ein Beitrag über Comicwerk. Das Comicwerk ist ja nicht im eigentlichen Sinne ein Verlag, sondern eher ein Zeichner- und Autoren-Zusammenschluss im Internet. Vielen Comic-Fans wird Comicwerk durch das Comicforum bekannt sein. Daniel Gramsch stellt im nachfolgenden Interview Künstler und Programm von Comicwerk vor und gibt interessante Statements zur Comic-Szene in Deutschland ab.

CRS: Seit wann gibt es den Verlag und wo hat dieser seine verlegerische Heimat? (Kurze Vorstellung des Verlags und der Macher). Habt ihr eine eigene Verlags-Homepage (bitte Link)?
Comicwerk
Daniel Gramsch: Das Comicwerk ist ja nicht im eigentlichen Sinne ein Verlag, sondern eher ein Zeichner- und Autoren-Zusammenschluss im Internet (der Link ist www.comicwerk.de ), unter dessen Logo einige Comicschaffende ihre Projekte auch gedruckt veröffentlichen. Gegründet wurde das Comicwerk im September 2001 von mir (Alina Fox, MAD, Gespenstergeschichten, Hit Comics), Guido Neukamm (Biien der Schatten, MAD, Gespenstergeschichten, Zack), Uwe Heinelt (Berlin, Berlin), Torsten Voss und Jörg Pitschmann.

Comicwerk
CRS: Welches waren die Beweggründe, in das Comic-Geschäft einzusteigen?

Daniel Gramsch: Da es in Deutschland wenig Möglichkeiten für regelmäßige Arbeiten in Magazinen gibt, war der Ausgangspunkt für die Präsentation des Online-Comic-Magazins LOA auf der Webseite, dass so mit wenig finanziellem Aufwand eine Plattform für Comickünstler jeder Couleur geboten werden konnte. Hier kann eine mögliche Leserschaft ausgetestet werden und eine Anlaufstelle für interessierte Ver-lage ist gegeben.
Ähnlich verhält es sich mit dem Schritt, einige der Serien auch zu drucken. Das erste Heft, das zeitgleich die Serien „Biien der Schatten“ und „Alina Fox“ präsentiert war als Probe gedacht, die den Verlagen zeigen sollte, wie das alles im Print aussieht. Da diese Aktion bei den Lesern auf viel Zuspruch stieß, wurden beide Serien kurzerhand weitergeführt und mittlerweile haben sich auch die Cartoonreihe “Slackers unlimited“ und die Mangaserien „Weird World“ und „Grimoire“ (beide von Marika Herzog) dazu gesellt.


CRS: Gab es bereits für die „Macher“ von Comicwerk eine „Comic-Vergangenheit“?

Daniel Gramsch: Vor dem Comicwerk sind die meisten der Gründungsmitglieder bereits in etlichen Publikationen als Zeichner und Autoren aufgetaucht: Guido Neukamm, Uwe Heinelt und ich selbst haben allesamt bei den Gespenstergeschichten des Bastei Verlages begonnen, Guido und ich arbeiteten (und arbeiten noch immer) zudem für die deutsche Ausgabe des MAD-Magazins. Guidos Serie „Biien der Schatten“ erschien im Zack mit textlicher Unterstützung von Jörg Pitschmann.

Comicwerk
CRS: Welche Comic-Genres gehören hauptsächlich zu Comicwerk?

Daniel Gramsch: Hmm, die Serien sind schwer festzulegen. „Abenteuergeschichten“ würde es vermutlich am ehesten treffen. „Biien“ und „Grimoire“ sind im Fantasy-Bereich angesiedelt, den „Alina Fox“ auch streift, wobei die Serie im Hier-und-Jetzt spielt. Im LOA im Internet sind alle möglichen Genres vertreten, von Superhelden über Literarisches bis hin zu Cartoons...


CRS: Welche Comics werden bis Sommer 2007 erscheinen?

Daniel Gramsch: Sämtliche Comics erscheinen zur Leipziger Buchmesse 2007: Der erste Band von Marika Herzogs Manga „Grimoire“, die 10-Jahre-Jubläums-Sonderausgabe „Alina Fox: The Early Years“ von Daniel Gramsch in limitierter Auflage und Guido Neukamms „Biien“ erscheint in englisch bei Aelix-Comics in den Niederlanden.


CRS: Wird sich der Comic-Verkauf vom Fachhandel zum Direktverkauf hin bewegen?

Daniel Gramsch: Unsere Hefte kann man sowohl über Comic&Spiele Berlin (www.comic-und-spiele.de) als auch direkt über die einzelnen Künstler beziehen. Und natürlich auf Messen, Börsen und Signierstunden, an denen wir teilnehmen ...
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CRS: Haben Comics (außer den bekannten Verdächtigen) eine Chance im Pressehandel oder im Buchfachhandel?

Daniel Gramsch: Ganz allgemein gesagt denke ich, dass es immer schwieriger wird für Comics sich außerhalb ihrer angestammten Umgebung zu verkaufen. Die Ablenkung, das Entertainment, das Comics bieten, können sich die Leute, die früher ihr Geld dafür ausgegeben haben, schneller und günstiger woanders holen.
Das, was momentan als „Comic“ angepriesen wird, scheint eigentlich nur eine Mög-lichkeit zu sein, billige Plastikarmbänder und dergleichen loszuwerden. Das letzte regelmäßig erscheinende Magazin mit deutschen Beiträgen ist im vergangenen Jahr weggebrochen und hat ein ziemliches Loch hinterlassen. Im Buchhandel finden sich zwar die gesamte FAZ-Werkausgabe und einige Klassiker, aber soweit ich das sehe bleiben Comics auch hier weitestgehend unbeachtet.


CRS: Viel diskutiert: Die aktuelle Lage am deutschen Comic-Markt, der schon mehrere Jahre von den Mangas dominiert wird. Wie seht ihr eure Verlags-Marktchancen für die Zukunft und wie wird die Markt-Lage (Manga, Franko-Belgier, Superhelden, Inde-pendent etc.) im Allgemeinen beurteilt?

Daniel Gramsch: Fakt ist: Es gibt keinen deutschen Comic-Markt. Die Taktik der größeren Verlage, seit einigen Jahrzehnten eigentlich nur Lizenzprodukte zu vertreiben, hat die merkwürdige Idee hervorgerufen, dass es keine guten Zeichner aus eigenen Landen gäbe, was einfach nicht stimmt.
Comicwerk
Die Independent-Szene, in der sich noch einiges Interessantes tut, bietet einige sehr gute Comicschaffende mit Visionen aber ohne Geld, sodass es schlichtweg unmöglich erscheint, dass sie ihren Status verbessern können. Mittlerweile ist es zwar allgemein anerkannt, dass Comics nicht nur für Kinder sind, aber gleichzeitig ist das Interesse dennoch geschwunden. Mehr als ein bewunderndes „Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt“ scheint nicht wirklich drin zu sein. Von daher beurteile ich die Markt-Lage ausgesprochen schlecht.
Sowohl die Lizenzen, als auch die Manga haben so etwas ähnliches wie „verbrannte Erde“ hinterlassen und alles lauert auf den nächsten großen Wurf, während Trading-Cards und -Games und Youtube-Videos den Comics den Rang ablaufen. Wir werden weiterhin das produzieren, was wir selbst gerne sehen würden und freuen uns über jeden Leser, der uns unterstützt, den wir von der Qualität unserer Comics überzeugen können und der sich auf unsere Geschichten einlässt. Für einen nichtexistenten Markt oder irgendeinen ominösen Trend werden wir uns und unsere Figuren jedenfalls nicht verbiegen.

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CRS: Häufiges Thema im Comic-Forum: Die Bewerbung neuer Comic-Produkte. Außer in der einschlägigen Comic-Fach-Presse entdeckt man nur wenig Comic-Werbung. Erreicht die Werbung damit überhaupt noch einen breiten Leserkreis? Oder wäre weitergehende Werbung „verbranntes Geld“? Einige „Kleinverlage“ sind selbst Comic-Fans wegen geringer Präsenz nicht bekannt …

Daniel Gramsch: Werbung ist teuer und ob es etwas bringt, weiß keiner. Selbst diverse, durchweg positive Rezensionen bringen keine spürbare Erhöhung der Verkaufszahlen. Präsenz im Internet hingegen führt dazu, dass sich viele Leute regelmäßig die Webseite ansehen, denn die ist ja gratis. Am meisten bringen da noch Messen, die nicht hauptsächlich mit Comics zu tun haben, wie beispielsweise Leipzig und Frankfurt, da man dort durch seine eigene Anwesenheit Leser erreicht, die ansonsten an den Heften vorbeilaufen würden.

Comics im Allgemeinen erreichen keinen breiten Leserkreis mehr, da die Möglichkeiten sich Zerstreuung zu organisieren vielschichtiger und billiger geworden sind und man nicht einen Monat oder gar ein ganzes Jahr warten muss. Ein Klick genügt da meistens und man hat ’nen neuen Klingelton oder ein neues Video.
Es gibt dort draußen doch Spider-Man-Fans, die noch nie ein Heft der Serie in der Hand hatten und die Figur nur aus den Filmen und Computerspielen kennen. Ein weiterer Punkt ist natürlich dieser: Was nützt mir die beste Werbung mit der größten Verbreitung, wenn es dem potentiellen Kunden nicht möglich ist, das Produkt zu kaufen?

Comicwerk
Denn die eh schon dünn gesäten Comicläden verstecken ja die Comics der Kleinverlage in der hinterletzten Kiste oder ordern die Sachen nicht und wenn der Aufwand an den gewünschten Comic heranzukommen für den Kunden zu groß ist, verliert er das Interesse. Das ist ein ziemlicher Teufelskreis: Die Verlage trauen sich nicht, Neues auszuprobieren, die Comicläden trauen sich nicht, Neues zu ordern, Leser trauen sich nicht, Neues eine Chance zu geben (wenn sie überhaupt davon erfahren) und dementsprechend trauen sich Zeichner und Autoren ebenfalls nicht, etwas Neues oder gar Originelles zu schaffen, da sie es vermutlich sowieso nicht loswerden.

Da hilft dann nur noch, seinen gesamten Idealismus zusammenzunehmen und es selbst zu drucken oder eben ins Internet damit zu gehen. Da hilft dann auch keine Werbung.


CRS: Welche Aktivitäten gehören noch zu eurem Verlag?

Daniel Gramsch: Das Comicwerk ist eigentlich ausschließlich für Comics da. Sicherlich hätten wir nichts dagegen auch Figuren unserer Helden und Heldinnen zu sehen, so wie es unser Partner TheNextArt in diesem Jahr tut, aber das Hauptanliegen ist nun einmal bei den Comicstories zu finden. Allerdings ist 2006 eine DVD erschienen mit einem Alina-Fox-Zeichentrickfilm und einem 3D-Film darauf...


CRS: Seit ihr auf den großen Comic-Events in Deutschland und ggf. im Ausland mit einem eigenen Verlagsstand vertreten oder ist es für die Zukunft geplant? Wenn ja, auf welchen Veranstaltungen?

Comicwerk
Daniel Gramsch: Wir sind in jedem Jahr auf den großen Messen zu finden, wie zum Beispiel der Leipziger Buchmesse oder dem Comicsalon Erlangen. Momentan überlegen wir, ob wir nach Essen oder nach München gehen und auch ausländische Märkte werden zunehmend interessanter...

CRS: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg im Comic-Geschäft!


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