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Tagebuch II: Normal ist das nicht! :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!
20.05.2026, 15:09 Uhr
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geschrieben von M.Hüster am
Samstag, 12. Juli 2008
(3756 Aufrufe)
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plus Antworten von Uli Stein
Spaß und Nonsens pur aus Uli Steins Kreativwerkstatt: 365 Tage lässt sich Deutschlands beliebtester und erfolgreichster Cartoonist über seine Schulter schauen. Ein ganzes Uli-Stein-Jahr, nicht immer politisch korrekt, aber grandios komisch.
Neue Cartoons satt, satirische Alltagsbeobachtungen, absurde Ideen, Lästereien, verrückte Notizen, skurrile Erfindungen, Anekdoten, abenteuerliche Gedanken, Sprachwitz, Fotos der besonderen Art und mehr. Nein, normal ist das nicht!
Uli Stein beweist einmal mehr, dass er mit seinen Cartoon-Ideen zu den Besten seines Fachs gehört. „Normal ist das nicht!“ ist ein sehr sehr gelungener Band. Und das Ganze wird alles in einem sehr noblen HC-Einband den Fans serviert.
Uli Stein ist der erfolgreichste Cartoonist in Deutschland, und seine Figuren, allen voran die „freche Maus“, kennt hierzulande jedes Kind. Als 1984 sein erstes Buch im Lappan Verlag erschien, ahnte niemand, dass 23 Jahre später über 10 Millionen (!) Bücher verkauft würden. Es sind aber ja nicht nur unvorstellbare zehn Millionen Bücher verkauft worden, sondern mehr als das Zehnfache dieser Menge nochmals an Postkarten und Jahr für Jahr Hunderttausende von Kalendern! Ein Ende ist (zum Glück!) nicht absehbar! Neue Buchprojekte sind in Arbeit, und wer täglich an der unerreichten Kreativität des Uli Stein teilhaben möchte, sollte seine Homepage besuchen und sein Tagebuch anklicken: www.ulistein.de
Interview mit Uli Stein:
Back to the roots: Wie und wann haben Sie mit dem Zeichnen angefangen? Wo sind die ersten Werke veröffentlicht worden?
Uli Stein:Die ersten Cartoons habe ich in Schweizer Zeitschriften veröffentlicht und in der chaotischen Hamburger Kiezpostille „St. Pauli-Nachrichten“. Das war Mitte der Siebziger, meine ich mich zu erinnern.
Vor Ihrem Leben als Cartoonist gab es noch ein Lehrer-Studium. Danach waren Sie als freier Fotograf und Journalist tätig...
Uli Stein: Ich habe mal angefangen, Lehramt zu studieren, aber gegen Ende des Studiums festgestellt, dass meine Begabungen doch woanders liegen. Habe dann den ganzen Kram unmittelbar vor dem Staatsexamen hingeschmissen und mich ins
Fotografieren und Schreiben gestürzt.
Haben Sie schon als Kind bzw. Jugendlicher davon geträumt, Cartoonist zu werden? Gab es bereits „Frühwerke“ in Ihren Schulheften?
Uli Stein: Ich habe permanent gescribbelt und in meine Schulhefte gezeichnet, aber zu dieser Zeit nie im Leben daran gedacht, das mal irgendwann zu meinem Beruf zu
machen.
Inzwischen blicken Sie auf eine über dreißigjährige Tätigkeit als Cartoonist zurück. Wird der Eigenanspruch an die eigenen Werke und das Streben nach Perfektionismus immer höher oder sehen Sie das eher
locker?
Uli Stein: Eher locker die goldene Mitte: „Streben nach Perfektionismus“ ist bei mir nicht sehr ausgeprägt, von Pfusch im Sinne von „na, das wird schon reichen“ halte ich aber auch nichts.
Hat sich Ihre Arbeitsweise im Laufe Ihrer Tätigkeit verändert?
Uli Stein: In den vielen Jahren haben sich natürlich tausend Dinge, das ganze Procedere, Materialien, die Art der Endablieferung, etc. schon zig Mal angepasst und verändert. Heute ist der Ablauf so: Ich halte alle meine Scribbles, Notizen, Ideen auf meinen beiden MotionTablet PCs fest (www.motioncomputing.com). Die Cartoons zeichne ich dann mit Staedtler PigmentLiner auf Gohrsmühle (Gohrsmühle hat mir dieses großartige Papier auf A3 zur Verfügung gestellt). Anschließend wird die Zeichnung mit 720 dpi eingescannt, auf unseren 3 PCs weiterbearbeitet und an die Agentur Catprint Media gemailt. Bei der Endbearbeitung hilft mir eine wunderbare Assistentin.
Sie sind Deutschlands erfolgreichster Cartoonist. Gibt es so etwas wie einen Erklärungsversuch für den eigenen Erfolg?
Uli Stein: Ich habe keine Ahnung (und wenn ich sie hätte, würde ich sie auch nicht an die große Glocke hängen) aber auch keine Zeit, groß darüber nachzudenken.
Hat eigentlich schon mal jemand daran gedacht, Ihre Mäuse, Katzen, Hunde, Pinguine und Schweine (u. a.) zu animieren?
Uli Stein: Wir haben schon ein paar Mal Anläufe im Bereich Animation genommen, aber es ist dann immer wieder versandet. Es ist ziemlich schwer, die richtigen Leute zu finden. Auf dem Computerspiel „Sommerspiele“ haben wir mal einen ersten Anfang in diesem Produktsegment gemacht und das war schon eine spannende Arbeit.
Pisa-Alarm stand 9 Monate lang auf der „Stern“-Bestsellerliste und ging bisher 440.000 mal über die Ladentische. Was glauben Sie, war das Geheimnis Ihres Erfolges? Lachen die Deutschen gern über Ihre eigenen Wissenslücken?
Uli Stein: Es hat offensichtlich nicht nur mir viel Spaß gemacht „Pisa-Alarm“ zu zeichnen, sondern auch meinen Fans, es zu lesen. Ich glaube in Zeiten, in denen sich die Dummheit so epidemieartig ausbreitet wie in Deutschland, möchte man nicht nur immer verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, sondern das Thema auch mal mit Galgenhumor ansehen können. Nebenbei: Weder ich noch der Lappan-Verlag haben mit diesem Erfolg gerechnet…
Welches ist Ihre erfolgreichste Publikation?
Uli Stein: Fröhliche Weihnachten ist das meistverkaufte Buch mit 930.000 Exemplaren. 2008 gibt es von dem Band eine Neuauflage!
Neben anderen Publikationen mit Themenschwerpunkten wie Autos, Garten, Sport, Mäuse, Tierleben, Geburtstag, Weihnachten und Neujahr erfreuen sich auch Ihre Bücher mit schwarzem Humor großer Beliebtheit (Vorsicht Steinschlag, Das schwarze Buch, Meine schwarzen Tage). Mussten Sie auch schon Kritik von Leserseite zu den manchmal bitterbösen Gags einstecken?
Uli Stein: Ja, das kommt schon vor, dass die Gutmenschen ihre Lichterkette aus der Hand legen und sich ihre Betroffenheit von der Seele schreiben. Und das ist ja auch völlig in Ordnung. Ich bekomme ja auch Beschwerdebriefe von Hausfrauen, Polizisten, Ärzten, Haarlosen, Ehemännern, Autofahrern, Kurzsichtigen, Hundebesitzern, Köchen usw. usw., die sich in meinen Cartoons nicht angemessen dargestellt sehen und das ist genauso okay. Humor ist nun mal eine sehr persönliche Angelegenheit und man kann natürlich nicht erwarten, dass alles bei allen die gleiche Reaktion hervorruft.
Gibt es unter Ihren Cartoon-Protagonisten Lieblingsfiguren, die Ihnen besonders ans Herz gewachsen sind?
Uli Stein: Klar! Die Maus!
Womit befasst sich Uli Stein in seiner Freizeit?
Uli Stein: Bei einer normalen 100 Stunden Arbeitswoche ist nicht viel Platz für andere Dinge. Ausgenommen Sonnabendnachmittag, wenn unsere Roten spielen. 100 Stunden verfliegen ja geradezu, sind ja nur 14 Stunden am Tag. Bin allerdings auch kein Frühaufsteher und erst um 9:00 im Büro. Der Vormittag ist dann randvoll mit Computerarbeit, Post, e-mails, Telefonaten und natürlich Endbearbeitung der angefangenen Cartoons vom Vortag.
14:00 ist dann (täglich) Meeting bei Catprint Media (der Agentur, die mich vertritt) wo alles besprochen wird, was sich nicht per mail erledigen lässt, Begutachtung von Lizenzprodukten, die zur Freigabe anstehen, aufgelaufene Signierwünsche, Projektdiskussionen, usw.
Ab 16:00 bin ich dann wieder im Studio und zeichne dann in der Regel das Rohmaterial, das am nächsten Vormittag bearbeitet werden soll und gegen 19:00 beginnt dann meine Lieblingsarbeitszeit: Ohne Störung auf der Terrasse sitzen, nachdenken, Dinge aushecken, skizzieren, notieren, Pläne machen und den Computer vollscribbeln und das zieht sich dann in der Regel bis Mitternacht hin. Backup und Licht aus.
Am Wochenende kann ich diesen Bereich erfreulicherweise ein bisschen ausweiten.
Wobei der Sonnabendnachmittag den „Roten“ reserviert ist, womit natürlich Hannover 96 gemeint ist.
Und irgendwo müssen auch noch die Treffen mit Anwälten reingeschoben, meine Fotos gemacht werden, Interviews, Meetings mit Lizenznehmern und meinem Buchverlag und Dutzende andere Dinge, die noch so anfallen, aber das passt schon irgendwie.
Gibt es schon Gedanken an den Ruhestand?
Uli Stein: Nein, die gibt es nicht. Zum einen habe ich ja feste Verträge mit Zeitungen, Magazinen, Verlagen und allen möglichen Lizenznehmern, außerdem kommt jeden Monat irgendwas Neues, vorwiegend aus dem Bereich der Neuen Medien, so dass ich die nächsten Jahre erst mal alle Hände voll zu tun haben werde.
Normal ist das nicht! Tagebuch 2
HC, 264 farbige Seiten,
Lappan Verlag, 19,95 €
Normal ist das nicht! Tagebuch 2 kann man gerne hier kaufen
© Abbildungen + Textquellen: Lappan Verlag + Uli Stein-Cartoons bei Catprint Media GmbH
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